Ist dir bewusst, wie deine Einstellungen und Glaubenssätze dich stressen?

Ein Gastartikel von Barbara Schmidt -Ontyd .

Stress

Stress wird empfunden, in einer belastenden oder überfordernden Situation.
Jeder kennt Stress, er gehört in unserer westlichen Lebenswelt zum täglichen Alltag.
Ein wunderbares Tool ist die Klopfakupressur, um mit Stress umzugehen.
Ich hoffe du hast die Erfahrung auch schon gemacht, wie hilfreich das Klopfen ist.

In diesem Artikel möchte ich dich dazu einladen, als erstes darüber nachzudenken, warum wir so unterschiedlich auf Stressoren reagieren. Jeder Mensch reagiert anders.
Zum zweiten zeige ich dir eine Klopfanleitung, mit der du arbeiten kannst, um deine Einstellungen, die dich stressen, zu verändern.

Unterschiedliche Einstellungen

Vielleicht ist dir das auch schon mal aufgefallen:
in der gleichen Situation reagieren wir Menschen unterschiedlich.
Während die einen schon Angst haben oder sich Sorgen machen und im Stress sind, bleiben andere in genau der gleichen Situation gelassen.

Gerne möchte ich mit einem Beispiel von mir deutlich machen, worum es mir geht.
Wenn wir pünktlich zu einem Termin zukommen wollen, bin ich schon ganz gestresst, wenn ich merke die Zeit wird knapp, während mein Mann diese Situation gelassen und sportlich nimmt.
Der Grund für die unterschiedlichen Reaktionsweisen liegt unter anderem in den Einstellungen der Menschen.
Da gibt es die Menschen, die alles mit Leichtigkeit tun oder die, die alles schwer nehmen.

Einige, die sich ständig Sorgen machen oder die Einstellung haben: "ich muss aufpassen, das Leben ist so gefährlich", während andere das Leben lieben.
Der Unterschied ist glaube ich deutlich geworden.
Und es wird auch deutlich, welche Einstellungen das Leben anstrengender machen und mehr Stress auslösen.
Eine Überzeugung ist eine Idee über deine Erfahrungen, die du für wahr hältst.

Eine solche Idee leitet deine Aktionen, filtert deine Erfahrungen, erlaubt oder verbietet dir dein Handeln und gibt den Dingen ihre Bedeutung.

„Ob du denkst, du kannst es oder du kannst es nicht – in beiden Fällen hast du Recht.“ sagte schon Henry Ford.
(Häufig wird auch der Begriff Glaubenssätze benutzt. Ich möchte in diesem Artikel bei dem Begriff Einstellungen bleiben, da ich in meiner Arbeit gemerkt habe, dass er vielen Menschen hilfreicher ist.)

Stress macht krank

Stress macht krank, das ist auch wieder eine Einstellung ;-).
Denn nicht jeder der gestresst ist wird krank.
Aber ich habe es so erlebt.
Ich war im Stress und bin krank geworden.
Ich hatte ziemlich viele Aufgaben: meine Halbtagsstelle, zusätzlich eine 3 jährige Ausbildung zur Supervisorin, die für mich sehr herausfordernd war, meine Familie mit zwei jugendlichen Söhnen und nebenbei bauten wir unser Haus. Das war schon viel.

Mich hat aber nicht die Menge an Aufgaben krank gemacht, sondern meine Einstellungen:

  • Ich habe es schwer.
  • Ich muss mich mehr anstrengen, als andere.
  • Ich bin nicht richtig.
  • Ich muss alles perfekt machen.

Bei mir haben diese Einstellungen zum Burnout und zur Depression geführt.

In der Zeit des gesund werdens, durfte ich viele meiner Einstellungen überprüfen und schauen, ob sie mir gut tun, ob eine andere Einstellung für mich gesünder und sinnvoller ist.
Mein Leben sieht heute komplett anderes aus, als vor dem Burnout.
Heute ist meine Lieblingseinstellung: das Leben ist gut zu mir.

Wie entstehen unsere Einstellungen?

Die meisten Grundeinstellungen übernehmen wir von unseren Eltern. Wir lernen sie am Vorbild der Personen, mit denen wir in der frühen Kindheit zusammen sind.
Wir lernen dadurch, dass wir erleben, wie unsere Eltern sich verhalten und welche Einstellungen sie zum Leben haben.
Ich will jetzt gar nicht die Einstellungen der Eltern verteufeln.
Durch sie ist es uns überhaupt möglich, dass wir uns im Leben zurecht finden.

Später lernen wir Einstellungen durch intensive Erfahrungen, die entweder sehr drastisch waren oder die Prägung entsteht, weil wir etwas sehr häufig erfahren haben.

Welche Überzeugung uns Stress macht, können und sollten wir überprüfen und sie auch verändern. Das wirkt sich auf die Lebensqualität aus.

Welche Einstellungen stressen?

Stress machen die Überzeugungen über die Welt und über uns selbst, die uns einschränken. Häufig begegnen mir in der Praxis Sätze wie:

  • Ich bin nicht gut genug.
  • Ich muss perfekt sein.
  • Ohne Fleiß, kein Preis.
  • Ohne mich funktioniert hier nichts.
  • Ich kann das alles nicht schaffen.
  • Ich kriege überhaupt nichts auf die Reihe.
  • Ich muss alles richtig machen.
  • Wenn ich etwas zusage, muss ich das auch einhalten.
  • Ich darf mich nur von der netten Seite zeigen, sonst werde ich nicht geliebt.
  • Ich muss alles alleine schaffen.
  • Ich darf keine Schwächen zeigen.
  • Neue Herausforderungen sind ein großes Problem.
  • Ich darf nichts verpassen.
  • Reich wird man nicht durch Ehrlichkeit.

Jeder Satz ist eine starke Einschränkung.

Wenn wir so eine Überzeugung haben, wird alles, was wir tun, immer mit dieser Einschränkung wahrgenommen. Wir haben den Fokus auf dieser Überzeugung und nehmen nichts anderes mehr wahr.

Eigene Einstellungen und Überzeugungen finden

Wie sieht es denn mit deinen Einstellungen aus?

Im folgenden habe ich mehrere Satzanfänge aufgeschrieben. Versuche ohne viel darüber nachzudenken den Satz zu vervollständigen.
Vielleicht findest du nicht bei jedem Satzanfang eine belastende Einstellung.
Schau einmal was du entdeckst.
Am Besten du schreibst die Sätze auf, die dir kommen.

  • Ich habe immer Stress, weil …
  • Meine Belastung ist am höchsten, wenn ...
  • Meine Arbeit ist immer ...
  • Nie schaffe ich es ...
  • Bei meiner Arbeit darf ich nicht ...
  • Jeder meiner Kollegen ist ...
  • Ich bin ...
  • Ich bin nicht ...
  • Jeder in unserem Betrieb ist ...
  • Mein Job führt dazu ...
  • Wenn ich etwas für mich tun will, dann ...
  • Wenn ich etwas verändern will, dann …

Anleitung, um Glaubenssätze, Einstellungen und Überzeugungen zu lockern oder aufzulösen

Wir sind was wir denken. Alles was wir sind entsteht mit unseren Gedanken. Mit unseren Gedanken erschaffen wir die Welt." sagt Buddha.

Wenn du dir jetzt einer einschränkenden Einstellung bewusst geworden bist, ist das ein riesiger Schritt.

Meistens nehmen wir gar nicht wahr, welche Überzeugungen wir haben. Unsere Einstellungen sind für uns so normal, dass wir sie zuerst gar nicht anzweifeln. Wir finden sogar viele Beweise um uns zu zeigen, dass unsere Einstellungen und Überzeugungen richtig sind.

Einstellungen sind nicht wie in Stein eingemeißelt

In den letzten Jahren hat die Hirnforschung entdeckt, das sich unser Gehirn auch im fortgeschrittenen und hohen Alter verändern kann. Es können neue Einstellungen für richtig erachtet werden. Wir müssen uns „nur“ davon überzeugen, dass anderes richtig ist.

Es kann hilfreich sein, sich ein Mischpult vorzustellen, an dem wir unsere Einstellungen anpassen können, damit sich das Ergebnis für uns richtig anhört. Dazu dürfen wir uns an Erfahrungen erinnern, die wir auch gemacht, aber zunächst nicht für so wichtig gehalten haben, weil sie nicht unserer Einstellung entsprachen.

Mit einer wunderbaren Anleitung von Andy Hunt fällt es leicht, an der Veränderung von Einstellungen zu arbeiten. Das „Außer wenn …. Klopfen“.
Sie ist in dem Buch: “Stehen Sie sich nicht länger im Weg" zu finden. Das Buch findest du auch auf der Liste mit den Buchtipps von Michaela Thiede

Anleitung für das „Außer wenn.... Klopfen“

Zum Klopfen nehme die Punkte, mit denen du gute Erfahrungen gemacht hast, die dir bekannt sind. Ich nutze die folgenden Punkte:

  • Sprich die Einstellung laut aus und schätze auf einer Skala von 0-10 ein, für wie wahr du sie hältst.
  • Klopfe 3x den Karatepunkt (Handkante), während Du sagst: „Auch wenn ich [Einstellung], liebe und akzeptiere ich mich so, wie ich bin“.
  • Klopfe während der Runde abwechselnd Einstellung und Ausnahme: „außer wenn...“.
  • Sprich die Einstellung noch einmal laut aus. Wie stark ist sie jetzt?
  • Wiederhole den Prozess so oft, wie es nötig ist.

Zum Beispiel:

Handkantenpunkt: Auch wenn ich denke ich bin nicht gut genug, liebe und akzeptiere ich mich so, wie ich bin.

Augenbraue: Ich bin nicht gut genug!

Neben dem Auge: Ich bin nicht gut genug, außer wenn ich gut genug bin!

Unter dem Auge: Ich bin nicht gut genug!

Unter der Nase: Ich bin nicht gut genug, außer wenn ich gut genug bin!

Unter dem Mund: Ich bin nicht gut genug!

Schlüsselbeinpunkt: Ich bin nicht gut genug, außer wenn ich gut genug bin!​

Diesen Durchlauf so oft wiederholen, bis drei Gegenbeispiele gefunden wurden, die gegen die ursprüngliche Einstellung sprechen.

In diesem Beispiel wäre es: Wann warst du gut genug?
Es ist immer wieder spannend zu erleben, was da beim Klopfen plötzlich erinnert wird.

Dranbleiben

Beobachte in den nächsten Stunden und Tagen, ob sich deine Wahrnehmung verändert. Ob du entdeckst, dass die Einstellung sich verändert. Es ist förderlich, da eine neugierige Haltung zu haben.
Du kannst dich in nächster Zeit auch regelmäßig fragen:
wie stark glaube ich meine alte Einstellung noch?

Eine weitere hilfreiche Frage ist: welche Einstellung ist passender und unterstützt mich, um ein positives und zufriedenes Leben zu führen?

Schreibe sie dir auf einen Postit und hänge sie an eine Stelle, wo sie dir häufiger ins Auge fällt.

Ich wünsche dir ganz viel Erfolg beim Entrümpeln und neu Entdecken.

Herzerfrischende Grüße,
deine Barbara Schmidt-Ontyd

Barbara Schmidt-Ontyd

Barbara Schmidt-Ontyd unterstützt Frauen darin, eine gesunde und wertschätzende Beziehung zu sich selbst zu entwickeln und damit die Grundlage für ein erfülltes und selbstbestimmtes Leben zu legen. Zur Unterstützung bietet sie Coaching an und verschiedene Kurse zum Thema: „Bei Stress bitte klopfen“ und „Achtsamkeit im Alltag“.

Barbara Schmidt-Ontyd
Sundernstege 24
45721 Haltern am See

Tel.: 02364 106495 oder 0151 68134498
info@praxis-herzerfrischend.de
Webseite: praxis-herzerfrischend.de

Für jeden, der sich in den Newsletter der Praxis Herzerfrischend einträgt, gibt es noch einen Notfallkoffer zur Soforthilfe in Stresssituationen.

12 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Trifft den Nagel auf den Kopf! Ist genau mein Thema. Danke für diese sehr hilfreiche Idee. Super!

  2. Hallo an euch beide,
    habe mir beim umsetzen von diesem schönen Klopfen einen schönen Sonntag
    beschert, unerwarteter Weise.
    Mein Hauptstreß lag tatsächlich an dem Satz: ich bin nicht gut genug.
    Dankeschön für den Blogbeitrag.
    herzliche Grüße Dagmar

    • Hallo Dagmar,

      ich glaube, den Satz kennen sehr viele Leute. Ich natürlich auch. 😉
      Wie schön, dass du einen schönen Sonntag hattest.

      Liebe Grüße
      Michaela

    • Hallo Dagmar,
      das gefällt mir super, wenn es sofort umgesetzt wird. Jetzt sitze ich hier mit einem dicken Grinsen und freue mich, dass sich die Arbeit gelohnt hat, diesen Artikel zu schreiben.
      Herzliche Grüße,
      Barbara

  3. Hallo Barbara,
    Du hast einen wunderbaren und zu Herzen gehenden Artikel geschrieben. Schon während des Lesens habe ich die ganze Zeit mit dem Kopf genickt, weil soviel Wahrheit darin steckt!
    Danke auch an Michaela für die zahlreichen interessanten Artikel von Dir selbst oder anderen, die Du immer wieder rumschickst. Sehr erhellend und bereichernd für mich!
    Herzliche Grüße
    Désirée

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