Wenn du vor Angst nicht an den Briefkasten gehst

Angst vorm Briefe öffnen

Um meinem Beitrag für die Blogparade, meiner „Liebeserklärung“ ans Klopfen noch ein wenig mehr Nachdruck zu verleihen, darf ich mich freuen, Euch mit dieser kleinen
Klopfanleitung meine Liebe auch quasi praktisch unter Beweis zu stellen. 🙂

Natürlich aber auch, um damit anderen auch in Hinblick auf den diesjährigen Klopfkongress noch
einen Funken mehr Mut und Lust auf die verschiedensten Klopfmethoden zu machen.
Es wird aber heute ein wenig ausführlicher. Das hat einen guten Grund, welchen ich Euch dann in
meinem kleinen Vorwort erklären möchte. Bin mir sicher, es wird sich lohnen 🙂
Mein kleines, aber feines Thema, was ich Euch mitgebracht habe, klingt erstmal recht harmlos, aber
kann sehr stark einschränken und fast zur Verzweiflung führen:

Angst vor dem Briefe-Öffnen

(Behördenbriefe, Mahnungen etc.) oder sogar vor der Beschäftigung damit und der Übernahme von Eigenverantwortung.

Wie sich dieser Kreislauf bei mir recht schnell größtenteils legte und die Angst sich verzog (eine Anleitung, die Mut machen soll).

Grobes Inhaltsverzeichnis zur Orientierung

1.  Vorwort

Möchte vorab noch ein paar Worte zu dieser Klopfanleitung loswerden:

Da die gleich gezeigten Techniken (ich zeige allerdings auch nur zwei bis drei von mittlerweile recht vielen – um etwas genauer zu sein) für diejenigen, die sie noch nicht kennen oder erst kürzlich neugierig wurden, teilweise recht (be)fremd(lich) erscheinen müssen, werde ich versuchen, dem durch ein paar einleitende und auch etwas theorielastige Worte entgegenzuwirken, bevor wir „drauf los klopfen“ 🙂

Viele können den Klopftechniken bzw. einem „sich berühren / beklopfen, während man die Angst laut aussprechen soll“ manchmal anfangs wenig oder nichts abgewinnen, können es oft nicht einordnen und auch nicht verstehen und glauben.

Und ich erachte es für wichtig, dass wir zumindest grob wissen oder einordnen können, was wir da vielleicht gleich ausprobieren (sollen) bzw. zumindest die Chance dazu bekommen, um dann selbst entscheiden zu können.

Von daher finde ich es auch besser, das auch zumindest als grobes Rüstzeug mitzuliefern und bin mir sicher, dass das den späteren Klopferfahrungen durchaus eine gute Basis und ein wenig Starthilfe sein kann. Also mache ich es einfach 🙂

Meine Perspektive zum Thema ist ja durch meine Klopferfahrung und auch durch meine
Beschäftigung und meine Recherchen zu den Themen eine andere, als sie vor etlichen Jahren noch war, als ich die Klopftechniken gerade kennenlernte.
Und ich war zwar teils offen für Themen und Methoden, teils aber auch skeptisch.

Na und für eben solche Menschen wie mich damals schreibe ich ja heute auch. 🙂

Wäre ich nämlich damals nicht aus Not und Suchen nach dem letzten Strohhalm über
Klopftechniken gestoßen, sondern z.B. aus Zufall z.B. über einen Artikel o.ä., hätte ich die Übungen und auch die ganze Theorieeinbettung überhaupt nicht ernst nehmen können und damit natürlich verschmäht (aus meiner damaligen Sicht natürlich, also in keinster Weise wertend gemeint).

Da ich das Klopfen aber zum Glück dann an einer Angst ausprobiert habe (ich hatte ja einige davon auf Lager *g*) und so sehr überzeugt von der Wirkung der Klopftechniken war und immer noch uneingeschränkt bin, bzw. es mittlerweile auch viel besser verstehe und relativ gut einordnen und erklären kann (meiner Meinung nach natürlich), fände ich es letztlich auch ungerecht, Euch das vorzuenthalten, um letztlich wirklich, also so wirklich Mut zu machen, zu klopfen usw.


Klopfen ist in meinen Augen eine geniale Erfindung. 

Auch mir, fehlen da manchmal noch die Worte (obwohl ich sicher nicht mit Worten geize *g*).
Somit habe ich also nun einen theoretischen und einen praktischen Teil für Euch - ein wenig mehr Lesestoff, als das Thema womöglich hätte vermuten lassen oder? 🙂

Teddy lesen

...in der Hoffnung, dass auch einige Groschen fallen, wie bei mir damals und Ihr so meine mit dem Herzen geschriebene Liebeserklärung auch per Verstand besser einordnen könnt (ähnlich vielleicht, wie der Teddy auf der für Euch mitgebrachten Kugelschreiber-Zeichnung *g)...

...und nicht zuletzt natürlich auch zur noch besseren Einstimmung auf den am 20.7.2019 beginnenden Klopf-Kongress. 🙂

ABER:

Für die praktische Übung bzw. Anleitung s.o. sonst gern schon zu Punkt 5. springen

2. Warum das Ganze / dieses Thema?

Ich schreibe diese kleine Anleitung zum einen, um Euch wie gesagt Mut und noch ein bisschen mehr Mut zu machen, trotz womöglich bereits erfolgloser Versuche, sich von Ängsten u.ä. zu befreien, weiter zu machen, weiter zu suchen und zu üben oder sich natürlich auch Hilfe zu holen, aber auch weiter zu lesen... 🙂

(alles, aber bitte nicht aufzugeben im schlechtmöglichsten Falle)

Zum anderen möchte ich damit auch zeigen, dass es viele verschiedene Ansätze und Methoden gibt, sich z.B. auch im Sinne von Psychohygiene selbst zu stärken oder bestenfalls punktgenau zu helfen und ganz neue Horizonte erreichbar zu machen, und die es durchaus verdienen, mal näher beleuchtet zu werden – wie eben insbesondere das Klopfen u.ä..

Möchte auch meinen kleinen Beitrag leisten, weil ich selbst so dankbar bin, mich von den größten Hürden bereits befreit haben zu dürfen, obwohl ich z.B. meine mitlerweile „stärkste Notfalltechnik“ zuerst aus Skepsis fast nicht ausprobiert hätte (...). 

Ich war selbst etliche Jahre betroffen von Angststörungen (Phobien, aber auch diffuse Ängste z.B.), Depression und vor allem auch einer starken Selbstablehnung und niedrigem Selbstwertgefühl.

Solche Dinge begleiteten mich immer mal wieder, mal mehr mal etwas weniger.

Vieles in mir hatte scheinbar auch schon aufgegeben, glaubte kaum mehr an Besserung, dann gab es Phasen, wo es in Teilbereichen besser wurde, aber ab dem Moment, wo ich Klopfen (kennen) lernte und anwandte, hat sich das Blatt so schnell gewendet, ähnlich dem Pareto-Prinzip (80%) und der Rest dann nach und nach (20%).

Dass der Klopfprozess teils so einfach läuft, sogar Spaß machen kann und so tief hilft, wird mir trotz noch so vielem Theorieverständnis irgendwie immer noch nicht ganz vorstellbar.

Klopfen hat mich von den vielen guten „Entdeckungen“, Methoden oder Techniken, die ich kennenlernen durfte, am meisten und am nachhaltigsten beeindruckt!

Apropos Selbstablehnung und niedriges Selbstwertgefühl

Wer sich länger mit Psychotherapien, der Forschung zu diesen Themen etc. beschäftigt hat, wird sicher hier und da immer mal wieder über Wörter wie Selbstwertgefühl oder Selbstwirksamkeit u.ä. gestolpert sein.

Zu recht, wie ich finde, weil das Thema m.E. sehr wichtig ist und scheinbar auch in vielen Therapierichtungen eine große Rolle spielen bzw. zumindest Teil-Ziel einer (jeder?) Behandlung sein dürfte. 

Darauf werde ich kurz eingehen.

Aber auch, weil ich gerade die Klopftechniken (kenne ja durchaus auch etliche gute andere Techniken) als so schnell hilfreich, so stark selbstwertsteigernd empfand; und in hohem Maße auch darüber sehr schnell wieder in ein Gefühl der Selbstwirksamkeit kommen konnte, betone ich ebendiese hier nochmal so.

Ferner schätze ich die enorm starke und vor allem oft rasche emotionsregulierende Wirkung (ähnlich einer sanften Sensibilisierung und dadurch oft recht schnellen Abschwächung oder Verschwinden der Symptome, nicht im Sinne einer Ablenkungs- oder Stopptechnik, sondern eher als Integrationstechnik zu verstehen, siehe auch 4.).

Von daher hätte mir (fast 🙂 ) keine bessere Technik für diese Anleitung vorstellen können als Klopfen, als Vertreter für eine große Anzahl von ähnlich starken Methoden und aller möglicher Methoden, die z.B. durch Kombinationen daraus entstanden sind  (und hätte sonst ja auch nicht zum Klopf-Kongress gepasst).  🙂

Da ich im starken Gegensatz zum gerade Gesagten diese Art Techniken damals so überhaupt nicht einstufen oder einordnen konnte und sie teils missverstanden oder unterschätzt werden, möchte ich Euch also einiges wichtiges dazu noch mit auf den Weg geben.

Sollte die Anleitung trotz aller Ausführlichkeit für Euch hilfreich sein, gern immer mal anwenden, auch, wenn Euch kein Thema / Klopfsatz einfällt, trotzdem möglichst mal dran (an)klopfen. 🙂

Ich schreibe diesen Text gerade z.B. auch, weil oft gesagt wird, man müsse sich mit dem Problem annehmen oder das Problem annehmen etc., aber oft auch nicht gezeigt wird, wie das gehen soll.

Von daher zeig ich sehr gerne, wie ich das klopfend umgesetzt habe, „mich mit dem Problem s.o. anzunehmen“ (siehe 5.2.1.) bzw. mit dem Klopfen zur Emotionsregulation zusammen mich teils aus tiefen Löchern rausholen konnte.

Und ich hoffe, der eine oder die andere probiert das auch mal aus.

ABER:

Wer sich allerdings schnell, tief und stark in Ängste oder gar Traumata rein steigert und sich schnell hilflos fühlt, möge bitte Vorsicht walten lassen und ggf. auch mal mit seinem Therapeuten darüber sprechen bzw. zuerst unter Anleitung oder sehr vorsichtig alleine anfangen, dann aber ganz leichte Übungen wählen. Ansonsten kann ich das bedenkenlos empfehlen.

Bei einigen wenigen wird es ggf. auch nicht beim ersten Mal klappen oder in einigen Fällen vielleicht auch zu stark aufwühlen, aufregen, irritieren o.ä..

Falls es nicht ganz klappt, entspannt es oft zumindest, aber noch öfter klappte es, bei mir zumindest, dann ist mit dem Thema oft erstmal ne ganze Zeit Ruhe oder auch ne sehr sehr lange Zeit 🙂

Wir kommen auf dieses Thema aber auch nochmal unter 5.2.2. zu sprechen.

So schnell geben wir dann doch noch nicht auf. Bitte also dann besonders Obacht geben, wenn wir später im Praktischen Teil nochmal darauf zurück kommen. 🙂

Bei Fragen ansonsten natürlich jederzeit gern melden. Ist mir eine Ehrensache!

Und warum gerade dieses Thema?

Weil ich damit etliche Monate oder gar Jahre mal weniger, aber auch mal sehr starke Probleme hatte. Ich konnte teilweise nicht mal ohne starke Anspannung und Angst und erst nach etlichen Anläufen an den Briefkasten gehen, oder dann die Briefe, die noch zu öffnen waren, nicht einmal anschauen u.ä.                                                                                            

Allein der Gedanke daran hat mich stark geängstigt.                                                                

Auch einige meiner Freunde haben mir nach einigem guten Zureden dann geholfen, indem sie mir dann einige Briefe geöffnet haben und mitgeteilt, um was es da jeweils ging, was selbst auch teils kaum aushaltbar war aber zumindest sehr unangenehm. Und geholfen hat es mir langfristig ja auch nicht.

Habe auch gerade in einer Facebook-Gruppe von genau diesem Problem bzw. dieser Angst gelesen und mir dazu noch einige Gedanken gemacht, die wiederum zur Idee zu einer Klopfanleitung führten.

Und gerade dieses Thema, diese Angst vor dem Briefe-Öffnen bzw. etwas zu unternehmen, so stark sie auch bei mir auftrat, konnte ich verhältnismäßig schnell ablegen, mit eben dieser Art Techniken. Von daher ist es dieses Thema geworden.

3. Selbstwert, Selbstwirksamkeit...?

Das Thema Selbstwert(gefühl) ist wichtig zu berücksichtigen, wenn wir von Ängsten sprechen oder generell von Leid etc.

Habe mir kürzlich, um mich ein wenig tiefer noch in dieses Thema einlesen zu können, zu diesem Thema auch ein Buch gekauft. In einigen anderen war es immer mal wieder nur erwähnt worden, unter anderem auch in den Büchern, die ich z.B. über Klopfen (und z.B. BMSI-Techniken oder auch (Hirn-)forschung) besitze.

Möchte das Thema auch nur anschneiden, eben, weil es wichtiger Konsens vieler Therapierichtungen ist und eben auch im Klopfen eine wichtige Rolle spielt und gezielt auf das jeweilige Problemthema angewandt wird (siehe 5.2.1.).

Zur Bekräftigung ein kurzes Zitat aus dem Buch „Selbstzuwendung, Selbstakzeptanz, Selbstvertrauen – Psychotherapeutische Interventionen zum Aufbau von Selbstwertgefühl“ von Friederike Potreck-Rose und Gitta Jacob: *

„Selbstwert und Selbstvertrauen sind Konzepte, die in der Psychotherapie in vielerlei Hinsicht zentrale Bedeutung besitzen. Ein Überblick über die wissenschaftliche und anwendungsorientierte Literatur zeigt, dass es praktisch keine Störung oder Problematik gibt, die nicht mit einem Mangel an Selbstwert oder Selbstvertrauen in Verbindung gebracht wird...“

Es gibt auch hier wieder sehr viele Wege, da hin zu kommen, bzw. daran zu arbeiten.

Ich möchte mich wie bereits erwähnt, im Rahmen dieser Klopfanleitung nur auf die Klopftechniken beziehen, weil ich gerade damit die hohe Wirkung auf das Selbstwertgefühl und auch das Gefühl der Selbstwirksamkeit besonders schnell und intensiv spüren und erleben konnte.

Und indem ich durch ein „selbst am Problem arbeiten“ bei Verbesserungen das ganz allein mir zuschreiben darf, steigert das deshalb scheinbar so sehr auch das Gefühl der Selbstwirksamkeit (was zu den Grundbedürfnissen gehören dürfte).

(Das Gefühl der Selbstwirksamkeit beschreibt z.B. auch Michael Bohne sehr gut in seinen Büchern bzw. Videos z.B über PEP * – seiner geschaffenen Klopfvariante)                                

Zurück zum Thema Briefe-Öffnen:

Im Bezug auf das Erleben von Selbstwirksamkeit zeigt sich ein kleiner aber feiner Unterschied, den ich so nicht (kaum?) erleben kann, wenn ich z.b. durch meine Angst, wichtige Briefe zu öffnen und die damit verbundenen Pflichten (und auch Rechte) zu erledigen, (dauerhaft) äußere Hilfe in Anspruch nehme.

Ich hatte diese Hilfen damals auch ab und an, was mir im Moment half, aber nicht bei der Überwindung/Beruhigung der Angst.

Ich habe auch deshalb natürlich die Hoffnung, dass Euch diese Übung ebenso schnell und gut hilft wie mir selbst damals.                                                                                                  

Jeder hat ja auch seine eigenen Themen, sein Tempo, sein Temperament, aber ein Versuch wäre es meiner Meinung nach Wert. Das lässt sich dann in ähnlicher Form sehr gut später auch auf andere Themen anwenden.            


Aber, um nochmal auf das Thema Selbstwert zurück zu kommen: einen wichtigen Stellenwert hat dieser z.B. auch in Bezug auf die hier mit spielende und unbedingt zu berücksichtigende „Selbst- und Problembewertung“!

Wenn ein Thema/Reiz etc. als bedrohlich bewertet wird (was nicht nur bewusst, sondern auch unbewusst geschieht, vgl. Neurozeption/Polyvagaltheorie von Stephen Porges z.B.), siehe oben (Problembewertung), und/oder ich keine Antwort/Abwehr darauf parat habe bzw. keine sogenannten Coping-Mechanismen, oder deutlicher gesagt, mir nicht zutraue, mich diesem Thema/Reiz auszusetzen oder ihn auszuhalten, siehe oben (Selbstbewertung UND Selbstwert!), wird m.E. (vgl. Stressmodell nach Lazarus) erst Stress bzw. Angst o.ä. ausgelöst – oder eben auch Hypervigilanz (usw. auch z.B. wieder nach Porges usw.) - so kompliziert und auch theoretisiert das auch klingen mag, um so deutlicher wird sich das dann aber hoffentlich später in der Praxis (unter 5.2.1.) dann anfühlen und spüren lassen.

Das fühlt sich nämlich einfach super an, wenn das Innere in Situationen nicht mehr auf Stress schaltet und ich meine Stärke weiterhin und gerade dann stark wahrnehmen kann, ohne all die Begleitsymptome (hoher Puls, schnelle Atmung, Zittern, Schwächegefühle usw.) und sowohl Selbst- als auch Problembewertung scheinbar „umgeschaltet“ haben müssen auf „Kein Thema mehr“ - na Ihr werdet es hoffentlich auch als genau so wohltuend empfinden, wie ich jedes einzelne Mal, selbst schon bei der Selbstakzeptanzübung. 

Und auch am Selbstwert hat sich bei mir sehr viel zum Guten gewendet. 

Da gäbe es einiges zu erzählen...
Aber vorher geht’s erstmal noch zur Emotionsregulation, einem ebenso wichtigen Thema (und auch nicht eindeutig von Selbstwert trennbarem, wie ich später nochmal ansprechen werde).

4. Affekt-(Emotions-)Regulation?

Was ist das überhaupt?

Affekt- (oder Emotions-)Regulation beschreibt „die Fähigkeit von Menschen, die durch die meist selbstkonfrontative Auseinandersetzung mit unangenehmen Erfahrungen ausgelösten negativen Emotionen dauerhaft zu regulieren, so dass sie in das “Selbst“ integriert werden kann. Siehe auch Affektkontrolle. (Stangl, 2019)...“

Einfacher ausgedrückt ist hier von der Fähigkeit die Rede, seine Gefühle bzw. seinen Erregungszustand selbst beeinflussen zu können, also mehr oder weniger „mühelos“ zwischen Anspannung und Entspannung oder auch zwischen Sympatikus und Parasympatikus umschalten zu können etc.), was sich scheinbar gerade bei vielen mit psychischen Belastungen teils schwierig gestalten dürfte.

Auch im o.g. Buch (siehe 3.) ist dieses Thema übrigens, dort als „Selbstregulierung“ bezeichnet, vertreten.

Interessant dazu finde ich, dass wir als Babys und Kleinkinder z.B. durch Berührung bzw. Körperkontakt und auch den Blick, Mimik, Gestik etc. z.B. durch unsere Eltern reguliert werden müssen, bzw. es erst selbst lernen müssen.

Beim Thema Berührung oder auch Selbstberührung sind wir auch direkt schon beim Thema Klopfen (wie im Inhaltsverzeichnis auch angekündigt). 🙂

Apropos: durch (Selbst-)Berührung wird unser Bindungshormon Oxitocin ausgeschüttet

was bei der Affektregulation durchaus eine Rolle spielen dürfte, vielleicht auch gegensätzlich wirkt, verglichen mit z.B. Stresshormonen (ich erinnere mich, so etwas kürzlich gelesen zu haben - aber kann das hier natürlich nicht genauer abdecken).

Und gerade die typische Art der Emotionsregulation, wie ich sie beim Klopfen erlebt und später natürlich auch viel drüber beschrieben fand in Büchern oder im Internet usw., war mir vorher absolut neu und ich habe das so auch nicht glauben können (einige nicht so gute Erfahrungen z.B. durch Akupressur vorangegangen, aber war auch nicht mit meinem bisherigen Psychologie-Grundverständnis vereinbar).

Ganz grob und sehr ungenau ausgedrückt wird sich in den Zustand der Angst versetzt und das sich damit öffnende neuronale Netz / Erregungsmuster o.ä. durch lautes Aussprechen oder nur dran Denken an die Angst aufrecht gehalten / aufrechtzuhalten versucht, während man dann gleichzeitig einige Stellen am Kopf und Oberkörper beklopft, die vermutlich im Gehirn entweder wieder mehr Ressourcen wieder aktivieren oder aber gezielt das Erregungsmuster „Angst“ verstören oder eben auch beides.

Aber ein Bereich wird u.a. auch direkt beeinflusst und in seiner Übererregung gedrosselt: … die Amygdala und einige andere Strukturen im Limbischen System, unserem Gefühlshirn.

Und das letztlich (fast) nur, indem ein Faktor dazu kommt, „die Selbstberührung“ (welche also eine für das Gehirn scheinbar sehr günstige afferente Rückmeldung liefert und die Amygdalae scheinbar gut beruhigen kann. Wichtig wäre dann nur noch, dass das Netzwerk der Angst in dem Beispiel, lange genug dafür aufrecht erhalten werden kann).

Zugegeben, auch kognitive Reframing-Techniken sind unter anderem oft bei der Emotionsregulation mit im Spiel, auch beim Klopfen.

Ich wollte deshalb erstmal nur das besondere am Klopfen herausheben (wo quasi über den Körper direkt an den Gefühlen, siehe Amygdala, gearbeitet wird), aber natürlich sind auch Kognitionen und auch selbstwertverbessernde Affirmationen (in der Selbstakzeptanzübung z.B.) im Spiel.

Der Hirnforscher Antonio Damasio, auch z.B. Autor von Büchern wie „,Der Spinoza-Effekt-Wie Gefühle unser Leben bestimmen“*,  drückte das recht passend aus mit: „Der Körper ist die Bühne der Gefühle“.
Und deshalb kann es doch nur sinnvoll sein, auch genau dort anzusetzen!

Das Thema Embodiment* und Autoren wie Maja Storch* wären auch mal einen Exkurs wert, wenn Ihr Euch das Thema und die enge Verbindung zwischen dem Kopf/Gehirn und dem Körper genauer anschauen und insbesondere auch das Klopfen noch besser verstehen wollt.

Ein sich beklopfen ist übrigens z.B. auch nach Studienlage meistens um einiges besser, als nur zu reden oder z.B. Atemtechniken oder andere Interventionen etc. zu machen. Oder auch, egal, was wir machen, mit Klopfen wird es scheinbar noch besser wirksam (erinnert mich an die schon öfter erwähnte „Katalysatorfunktion“ des Klopfens, m.E.).

Quasi ähnliche Idee wie beim Mehrkanäligen Lernen, wo etwas schneller gelernt werden kann, wenn gleichzeitig mehrere Kanäle mit Informationen versorgt werden o.ä...

Berührung der Haut, besonders an Gesicht und z.B. Händen, an Oberkörper und anderen Stellen, die im Gehirn gut repräsentiert sind (haptische Reize bzw. sensomotorische, Tastsinn etc. s.o.), scheint demnach sich also als Kanal deutlich abzuheben, stärker zu sein im Vergleich zu einigen anderen Sinneskanälen (was ggf. auch erklärt, warum eine selbst laute Ansprache manchmal so wenig hilfreich ist, je mehr das Gegenüber „hochfährt“.

Berührung ist schon so ein spannendes Thema, aber kann das nicht weiter vertiefen an dieser Stelle.(vgl. auch Haptikforschung z.B. Prof. Martin Grunwald aus Leipzig).

Laut Hirnforschung (M.Bohne erwähnt es z.B. in einem seiner Videos) ist eine Gedächtnisspur dann am fragilsten, wenn sie erinnert wird. 

Und das tun wir, wir erinnern uns bzw. rufen die Gedächtnisspur auf und verstören sie so, das heißt, wir fügen quasi über afferente (aus dem Körper stammende) Reize dem Netzwerk neue Informationen zu, die scheinbar entsprechende vorhandene Informationen überschreibt.

Das können andere sicher besser beschreiben. So in etwa stelle ich mir das zumindest vor.

Das Prinzip der „Reziproken Hemmung“, wie es z.B. auch Wolpe damals beim Vorgänger der Konfrontationstherapie, der Systematischen Desensibilisierung, nutzte, scheint mir auch eine sehr sinnige Wirkhypothese für diese teils so tiefe und schnelle Wirkung durch das Beklopfen.

Es besagt in etwa, dass zwei gegensätzlich Wirkende Kräfte nicht zusammen oder am gleichen Ort (im selben System) auftreten können. (So in etwa erinnere ich das zumindest).

Was fürs Klopfen z.B. bedeuten könnte, dass wir nicht gleichzeitig körperlich entspannt und in starker Angst sein können o.ä.

Wenn z.B. die Angst aufgerufen ist, die normalerweise auch mit hoher muskulärer Spannung (Anspannung, Hypervigilanz u.ä.) einhergeht, wird durch das Klopfen aber eine, wie wir gehört haben (z.B. starker Sinneskanal s.o.), Entspannung vonseiten des Körpers zurückgemeldet, was vermutlich und wie ich und so viele andere durchs Klopfen u.ä. immer wieder direkt spüren konnten, die Angst sehr schnell immer wieder zu schwächen schafft (also der vorher vorhandene Angstzustand nicht länger gehalten werden kann o.ä.)...

Klingt kompliziert, aber fühlt sich sehr sehr gut und erleichternd an.

Reziproke Hemmung scheint noch viel häufiger aufzutreten in Systemen, wo ein jeweiliger Zustand aktiviert wird während gleichzeitig ein anderer, vielleicht gegensätzlicher gehemmt wird.

Vielleicht gilt das sogar auch für das Transmittersystem (oder mehrere 🙂 )

Aber ich möchte mich da nicht so weit aus dem Fenster lehnen 🙂

Also, von immenser Bedeutung und somit meiner Meinung nach einer der wichtigsten Aspekte, wenn nicht der wichtigste ist, dass wir das Netzwerk der Angst aufrecht halten.

Viel mehr müssen wir gar nicht leisten.

Das scheint mir auch nach vielen Recherchen so.

Auch, weil es z.B. ähnlich wie beim Klopfen, nur mit anderen Sinnesreizen arbeitend, einige Methoden gibt, die z.B. mit Augenbewegungen, Zungenbewegungen, oder auch körperlichem Ausdruck u.ä. oder sogar mit Tönen arbeiten, während sie sich beispielsweise in die Angst versetzen, also auch das o.g. Netzwerk aufrecht erhalten und dabei eine multisensorische Intervention durchführen.

Das muss uns nicht weiter verwundern, zeigt es doch nochmal die sehr vielseitigen Möglichkeiten, die Klopfen mit sich bringen kann und hilft, was ich im Vorwort für so wichtig befunden habe, hoffentlich dennoch dabei, Klopfen ein wenig besser einordnen zu können und vielleicht eine kleine Idee davon zu bekommen, was durch Klopfen u.ä. für fast unglaubliches passieren kann, aber auf der anderen Seite auch, dass Klopfen durchaus auch kein Hexenwerk ist....

(siehe auch BMSI – Methoden der Bifokalen Multisensorischen Intervention* - das würde für diese Anleitung, selbst wenn es der Theorieteil ist, dann doch zu weit führen, noch tiefer in dieses Thema zu gehen, also bei Fragen gern melden oder auch danach mal im Internet suchen.

ABER:

Im Fazit, also am Ende der Anleitung werde ich mich unter anderem diesem Punkt nochmal aus praktischer Sicht widmen und als letzten Tipp quasi genau aus diesen Erkenntnissen noch etwas mit auf den Weg geben.

Aber bis dahin bitte ich noch um ein wenig Geduld – wir bleiben vorerst noch eine Weile beim reinen Klopfen. :)).

Damit möchte ich es erstmal für diesen Zweck belassen. Bei Fragen dazu ansonsten gern melden.

5. mein „Versuch“ eines Theorie-Praxis-Transfers 🙂

So,  gleich gehen wir mit diesem Wissen oder zumindest Vorüberlegungen quasi in die Praxis, zur Selbstakzeptanzübung (siehe auch 3.) und zur Emotionsregulation, dem eigentlichen Klopfen (siehe auch 4.).

Da ich es auch schon unter 3. und 4. kurz angedeutet hatte:

Kleine Anmerkung: So ganz trennbar sind Selbstakzeptanz/Selbstwert und Emotionsregulation m.E. dann allerdings auch nicht: die Selbstakzeptanzübung unterstützt ja auch dabei, die Emotionen zu regulieren, ebenso wie umgekehrt die Emotionsregulation auch nochmal auf das Thema Selbstakzeptanz und Selbstwert zurück wirkt u.ä..

Da wir aber in der Praxis die Selbstakzeptanz-(und Selbstwert-)Übung auch von den eigentlichen Klopfrunden / dem Klopfen unterscheiden, erschien es mir für die Begrifflichkeiten so auch angebracht (?).

So, lasst uns also nun (endlich?) mal in die Praxis gehen:
Aber keine Sorge - wir machen langsam.

Wir stehen beim Klopfen natürlich auch hinter dem Slogan „sich der Angst“ stellen, aber stürzen uns deshalb nun auch nicht gleich in die Situation. 🙂

Wir konfrontieren uns erstmal quasi nur gedanklich und müssen noch nicht in die eigentliche Situation oder nicht gleich schon nen Brief öffnen (sollte das jedoch, natürlich aus Versehen, passieren, bitte ich diesen Umstand zu entschuldigen, Problem ist scheinbar dann gelöst*ggg*).

Wir überreden übrigens auch nicht (zumindest nicht gleich *grins*) dahingehend, eine andere, hilfreichere Perspektive einzunehmen bzw. unser Verhalten doch möglichst zu ändern. Nein, wir würdigen ausschließlich das jetzige So-Sein, bis dann ggf. auch an Verhalten gedacht wird (so nehme ich es aus meiner Erfahrung wahr) und holen, wie wir Erzieher (bin ja Heilerziehungspfleger) es gern ausdrücken, von dort ab, wo derjenige stecken geblieben ist o.ä.

Hier dürfen wir unserem Ärger (erstmal) Luft machen, die Angst so richtig laut ansprechen, authentisch sein.

Im Grunde sollten wir sie sogar „begrüßen“ (das dürfen wir sogar so sehen, weil wir sie beim Klopfen ja dann eh sehr bald auch wieder beruhigen - und das können wir nur, wenn sie sich zeigt).

Wir werden ebenso dazu angehalten, achtsam in uns rein zu spüren bzw. in die Angst, die Körperreaktionen zu beobachten, und auch, wie sie sich vielleicht dann während des Klopfens verändern usw.

Interessant:
Auch hier findet sich ein auch bei Therapien sehr wichtiges und auch beliebtes Thema wieder:
Achtsamkeit, welches wir auch übrigens im unter 3. erwähnten Buch wieder finden, oder der Akzeptanz- und Commitment-Therapie, einem Ableger der Verhaltenstherapie, bzw. welche auch als dessen dritte Welle darstellt wird oder auch bei den BMSI-Methoden, die auch als Zweitnamen „Bifokale Achtsamkeit“ tragen).

Wir müssen die Angst also auch nicht direkt wegschicken und schon gar nicht „verteufeln“ und beschimpfen.
Und das Allertollste daran:
Wir merken danach oft, dass wir auch nicht, wie immer erwartet, einen Umgang mit der Angst finden müssen, oder aufpassen müssen usw.
Die Angst hat sich meistens verabschiedet (nicht nur pausiert!), das Innere bleibt ruhig (und neugierig). Genau so sollte es sein 🙂

Wir konfrontieren uns bzw. den Auslöser also anders als es viele kennen.

Unser Gehirn macht wenig Unterschied, ob wir wirklich gerade in der Situation sind oder sie nur erinnern o.ä.
Das heißt, wir konfrontieren uns erstmal nur „in sensu“(in der Vorstellung), nicht „in vivo“. Letzteres tun wir beim Klopfen allenfalls erst, wenn die Angst spürbar runter gegangen ist, was oft sogar auch noch überraschend schnell eintreten kann und es meiner Meinung nach allein deshalb schon sehr attraktiv macht, gerade im Selbsthilfebereich...

Von daher findet sich dieser Punkt in Form von „in die Aktion gehen und Angst testen“ erst unter 5.2.3. wieder (gehört also nicht direkt, wie z.B. in der Konfrontationstherapie, zu den wichtigeren Therapieschritten).

Apropos Konfrontation durch „Aushalten“ und „immer wieder in die Situation“ gehen, in der Hoffnung, sich irgendwie dadurch zu desensibilisieren bzw. die Angst los zu werden, klappt durchaus bei vielen (Studienergebnisse sind im Vergleich zum Klopfen gar nicht so schlecht ausgefallen, außer, dass Klopfen ca. nur halb-so-viele Stunden erhielt/benötigte für die Angstauflösung).

Es klappt aber nicht automatisch für jeden und jede Angsterkrankung gleichermaßen. Einigen fehlt es manchmal auch an Selbstdisziplin und auch Hoffnung bzw. Zuversicht, die in diesen Momenten so wichtig ist usw. bzw. haben in Anteilen aufgegeben oder leiden wirklich stark und fühlen sich darin hilflos.

Und auch für diese wäre dann Klopfen sicherlich eine gute Alternative, die ihnen auch ohne diese anfänglich unbedingt benötigte Selbstdisziplin, Durchhaltevermögen, Stärke etc. sehr gut helfen könnte in einer dazu auch noch sehr sanften Art.

Kürzlich erst habe ich hierzu auch sehr spannende Klopferfahrungen sammeln dürfen.

Einem guten Nachbarn von mir hat ein einmaliges Klopfen unmittelbar seine Angst und Unsicherheit beim Überqueren der Straße genommen (nachdem er die Angst aber durch wöchentliches Training bzw. auch in vivo fast ein halbes Jahr nicht abschütteln konnte).

Meine und seine Überraschung waren entsprechend hoch, wie sich einige vielleicht vorstellen können.

(Möchte aber anmerken, dass es mir fern liegt, Konfrontationstherapie / Kognitive Verhaltenstherapie, um einige recht erfolgreiche herkömmliche Psychotherapiemethoden zu erwähnen usw., schlecht-zu-reden oder verdrängen zu wollen! Wenn, dann allenfalls z.b. zur Unterstützung, wenn beispielsweise zu starke Gefühlsbelastungen eine Exposition/Konfrontation fast unmöglich machen (hypothetisch) 🙂 Also nichts gegen Psychotherapie, im Gegenteil eher unterstützenswert, bei Bedarf auch durch sowas wie Klopfen (als Notfalltechnik z.B.)!

Neben einem „in die Angst reingehen“ und „Aktiviert halten der Angst“ wird dann gleich nur noch geklopft und dabei darauf geachtet, wie sich das anfühlt,bzw. wo sich ggf. was verändert.

Viel mehr wird ja quasi nicht gemacht.

Wenn es dann hier und da haken sollte und sich nicht verbessern, kann man das dann mit ähnlichem Vorgehen (nur etwas anderen Themenaspekten und teils auch Formulierungen beispielsweise) dann auch wiederum beklopfen und so dann letztlich auch schnell weiter kommen. All das aber erst später, in der Praxis...

Seid Ihr bereit, mir nun mit ins Problemthema zu folgen, der Angst vor dem Briefe-Öffnen und den möglichen Gefühlen, Gedanken, und körperlichen Begleiterscheinungen?

5.1. kleine Vorbereitung...

Um gleich genauer arbeiten zu können, macht es Sinn, sich einen Zettel und Stift zu holen und sich das Thema „Angst vor dem Briefe-Öffnen“ oder ähnlicher damit verbundener Ängste, Gedanken und Gefühle oder auch Körperempfindungen dazu, genauer anzuschauen bzw. hinein zu spüren und sich daraus Details und Unterthemen stichpunktartig herauszuschreiben.

Wir werden diese Details gleich bei der Selbstakzeptanzübung und auch beim Klopfen (Affektregulation) gut gebrauchen können. Mehr dazu gleich dann auch unter 5.2.

Für das Klopfen werden wir uns gleich möglichst genau in das Problemthema begeben. Das ist besonders wichtig, weil nur die Symptome, Gefühle, quasi Muster, die sich zeigen, auch unterbrochen, verstört oder gar aufgelöst werden können. Was nicht da ist, sich nicht zeigt, kann quasi kaum verändert werden (zumindest nicht nach dieser Logik, bzw. müsste man dann nochmal tiefer bohren oder etwas anders oder auch zusätzlich intervenieren quasi).

Zur Verdeutlichung finde ich das Bild eines Hauses sehr passend, eines Hauses mit vielen Räumen, von denen einige kaum mehr benutzt wurden, und wo auch kaum mehr Licht angemacht wurde. Wenn ich meine Räume wieder bewohnbar und ihnen zu neuem Glanz verhelfen möchte, muss ich natürlich endlich wieder die Räume betreten und auch dazu Licht anmachen, um beim Aufräumen den Unrat zu sehen (obwohl mir das Thema Ängste z.b. mit „Unrat“ auch nicht positiv und wertschätzend genug assoziiert zu sein scheint) bzw. um sich neu einzurichten ganz nach seinen Vorstellungen und Wünschen (ja, das klingt wertschätzender). 🙂

 Also, wo müssen wir überall Licht anmachen, was entdecken wir?

Beispiele aus meiner damaligen Sicht, als Ideenvorlage, gern also mit eigenen Gedanken ergänzen:

Konkretisieren des Themas bzw. Gedanken, Gefühle, Empfindungen zu sich und der Angst vor dem Briefe-Öffnen o.ä.:

  • ich halte e​​​​s nicht aus, nicht zu wissen, was die von mir wollen
  • habe Angst, dass ich Ärger bekomme
  • habe das schon sooooo lange und verstehe das nicht
  • glaube nicht mehr dran, dass das jemals besser wird oder sogar ganz weg gehen kann
  • schaffe nicht mal so etwas einfaches wie einen „blöden“ Brief aufzumachen
  • ich schäme mich, dass ich das auch nicht alleine hinbekomme (Hilfe in Anspruch nehmen muss...)
  • das wird immer schlimmer
  • kann nicht mal den Brief anschauen
  • muss mich extrem vorbereiten und unter Druck setzen, um es halbwegs irgendwann zu schaffen
  • das macht mich s​​​​o traurig und ich fühle mich soooooo hilflos
  • ich bin sooooo schwach
  • habe keine Kontrolle über die Situation
  • werde zittrig, wenn ich nur dran denke, den Brief zu öffnen
  • ich weiß nicht, was mit mir los ist
  • ich weiß nicht wie lange ich das noch aushalte
  • es fühlt sich einfach nicht sicher an, wenn es ums Briefe-Öffnen geht
  • ach ist doch eh egal, ich werde noch verrückt
  • ich weiß nicht weiter
  • ich hab keine Kraft mehr
  • ein Brief von (xxx) macht mich fix und fertig!
  • für andere könnte ich das locker machen, warum nicht für mich?
  • ich bin so komisch, das soll noch einer verstehen
  • ich hab auch langsam fast das Gefühl, ich will gar nicht die Verantwortung dafür übernehmen
  • will, dass (xxx) sich darum kümmert
  • ich habe diesen Druck, das machen zu müssen, weil es sonst noch schlimmer, teurer etc. wird
  • ...

Mir fällt nicht mehr alles ein, was bei mir damals die Rolle spielte. Ggf. fühlte ich, es nicht wert zu sein, nicht verdient zu haben, eh nicht geliebt zu sein, nicht willkommen auf der Welt etc. aber mit diesen Aspekten verschone ich Euch lieber 🙂

Also im Prinzip alles Aussagen, die Euer genaues Fühlen wiedergeben, oft sind das bestimmte Gedanken, Befürchtungen und innere Dialoge, Gefühle (Scham, Trauer, Wut u.ä.) und Körperempfindungen wie Druck im Bauch / Schmetterlinge, Engegefühl oder Übelkeit im Magenbereich / Bauch bzw. Brust und / oder Halsbereich, aufsteigende Hitze, Herz schlägt bis unter den Kopf, Beine werden wackelig, ggf. Schwindel etc. extrem starke Fluchttendenzen etc.

Wir brauchen nicht immer alles beim Klopfen aufzugreifen. Schon gar nicht an einem Tag.. Und darüber hinaus kann es durchaus passieren, dass, wenn ich einige Themen bereits beklopft, vielleicht sogar schon erfolgreich beklopft habe, sich einige weitere Aspekte mitunter gleich mit verändern oder immer mehr ihre ursprüngliche Wirkung verlieren und dann fast wie von alleine „abgeschüttelt“ werden könnten.

Zur direkten Vorbereitung kann man sich ggf. ein paar Punkte vom Zettel gezielt vornehmen und vielleicht auch vorher grob einschätzen, wie stressbeladen dieser Aspekt (Gedankengang vom Zettel)ist, also auf einer Skala von 0 (kein) bis 10 (maximalen, unaushaltbaren Stress) und den Wert auf dem Zettel vor den entsprechenden Stichpunkt / Gedankengang vermerken..

Man kann es aber auch direkt vor dem Klopfen kurz mal machen und sich einfach nur merken oder ganz weglassen.

Ich würde Euch das schon empfehlen, muss aber zugeben, es selbst beim Klopfen meistens vergessen oder aus einem anderen nicht bewussten Grund meistens nicht gemacht zu haben. Ich konnte das auch so sehr gut unterscheiden und merken.

Teils merkte ich nach einigen Sekunden, wie ich den Gedankengang entweder nicht mehr erinnern oder sehen konnte, wenn ein visualisiertes Bild mit im Spiel war oder die Anspannung spürbar aus dem Körper ging, die Kraft und der tiefe Atem zurück kehrten etc.

(Übrigens wird in der Entspannung auch länger ausgeatmet als eingeatmet – Ausatmen ist interessanterweise mit dem Parasympatikus verbunden, im Gegensatz zum Einatmen (Sympatikus – was eher aktivierend wirkt, was ja vom Zweck, der Absicht dahinter Sinn macht, z.B. in AngriffFlucht-Situatonen). Und ebenso auch bei der Herzrate. Ausatmen wirkt  senkend, Einatmen erhöhend auf die Herzrate. Dachte ich erwähne das, weil ich das selbst kürzlich las, ausprobierte per Pulstest und recht interessant fand hierzu).

Kommen wir nun also zum eigentlichen praktischen Teil, dem Klopfen.

5.2.  Grund“rezept“ 🙂

Kleines Resümee:

Wir haben über die Wichtigkeit der Erhöhung des Selbstwertgefühls und der Ausprägung z.b. eines Selbstwirksamkeits-Erlebens gesprochen (3.), auch darüber, dass gerade die Klopftechniken hier sehr themenzentriert also gezielt ansetzen können und auch dauerhaft helfen können, den Selbstwert stetig weiter zu erhöhen. Ferner haben wir festgestellt, dass das Selbstwertgefühl neben der Problembewertung als Selbstbewertung, eine wichtige Rolle spielt (auch bereits bei der Entstehung der Angst und auch als Aufrechterhalter), weil unser Inneres ständig uns und unsere Umgebung abscannt und bei drohender Gefahr entsprechend schnell auf Stress umschaltet. Genau an dieser Bewertung (Selbstwert) arbeiten wir bzw. erreichen so, dass auch das Problem nicht mehr als solches identifiziert werden kann und somit sich der Problemkreislauf sehr schnell schließen kann (vgl. Stressmodell nach Lazarus). Beide Klopfübungen (5.2.1. und 5.2.2.) erfüllen dieses Aufgabe in der Regel mit Bravur.

Letztendliches Ziel könnte sein, dass unsere Resilienz, um mal einen weiteren spannenden Begriff mit ins „Spiel“ zu bringen, der auch mit Selbstwert u.ä. zu tun hat,  sich so erhöht, dass wir das Klopfen als „Krücke“ auf dem Weg dahin nun beruhigt „wegwerfen“ dürfen oder ggf. noch in unserem gedanklichen Notfallkoffer belassen Wir kommen übrigens später in unserem Fazit auch noch einmal kurz darauf zu sprechen.

Wir haben aber auch über Klopfen als starkes Mittel der „Affekt-(Emotions-)Regulation“ gesprochen (4.),  also auch darüber, dass Klopfen in dieser Beziehung sehr schnell und hilfreich sein kann (meiner Erfahrung und Meinung nach) und z.B. sehr schnell starke Emotionen wie Angst direkt im Gefühlszentrum, dem limbischen System (z.B. Amygdalae usw.) runter regulieren und vieles anderes ausgleichend regulieren helfen kann.

Wir haben vielleicht ein paar Aspekte der Angst vor dem Briefe-Öffnen gefunden und sie uns notiert.

In der nun folgenden ersten praktischen Übung von Zweien (eigentlich Dreien) bzw. der ersten

„Technik“ kommen wir zur Selbstakzeptanzübung (5.2.1.), die ich in dieser Anleitung ja dem Thema Selbstwertgefühl zugeordnet hatte, auch wenn das schwer voneinander abgrenzbar ist (war für mich erst einmal übersichtlicher).

Unsere Notizen werden uns hier helfen, wir setzen sie gleich dann in die für die Selbstakzeptanzübung so typische Satzform ein und werden dabei erstmals auch klopfen.

Daraufhin geht’s direkt zum eigentlichen Klopfen und zur Emotionsregulation (5.2.2.).

Wir sollten dann in uns rein spüren und testen, ob die Angst sich bereits verändert bzw. wie sie sich vielleicht verändert hat.
Vielleicht ist sie gar nicht mehr spürbar, vielleicht haben einige direkt Lust, einen Brief zu öffnen, alles kann möglich sein.
Deshalb bitte ich, nichts bestimmtes zu erwarten, sondern vielmehr offen und neugierig zu bleiben und zu spüren, was sich wo verändert. Viel Spaß und natürlich bestes Gelingen damit!

5.2.1. Selbstakzeptanzübung... (die „halbe Miete“) 🙂

Nun geht’s darum, uns mit dem Problem anzunehmen (und damit auch das Problem anzunehmen, weil dazu wird oft auch gern geraten; siehe auch, was wir zum Thema Selbstwert besprochen haben.

Hier also die sehr kurze, aber m.E. effektive erste der beiden Klopftechniken, mit der wir nun jeden der Aspekte von der Liste bearbeiten (also uns quasi mit jedem dieser Aspekte der Angst, unserer Gefühle dazu, unserer Befürchtungen, sogar unseres Zorns usw. ANNEHMEN).

Bei der Selbstakzeptanzübung (wie es auch z.B. im PEP genannt wird, im EFT* z.B.„Set-up“ genannt), von mir manchmal auch noch „Einwandbehandlung“ genannt (aus meinen Anfängen;komme gleich nochmal kurz zu diesem Aspekt zurück, dann wird das klarer),         werden wir:

Handkantenpunkt EFT

zum einen an der Handkante klopfen...

(oder wunden Punkt reiben - das möchte ich hier aber mal weglassen. Michael Bohne arbeitet im PEP z.B. eher damit, einige machen beides, die meisten klopfen aber wie ich meistens an der Handkante),

...und zwar da, wo man z.B. mit einem Handkantenschlag treffen würde (einige nennen den Punkt deshalb noch Karte-Schlag-Punkt, viele lehnen das aufgrund einer möglicherweise aggressiven Assoziation eher ab, aber das nur am Rande).

Der Bereich befindet sich ungefähr 1,5 bis 2,5 cm (so würde ich das mal abschätzen) direkt unterhalb des Knöchels vom kleinen Finger, ungefähr da, wo auf der Handvorderseite die vom Handlesen bekannte „Herzlinie“ verläuft.

Wir können entweder unsere beiden Hände an diesen Stellen sanft gegeneinander klopfen, auch z.B. in Form einer geschlossenen Faust oder aber auch mit ein paar Fingern der einen Hand den Bereich jeweils beklopfen (ca. 3-4 Mal in der Sekunde, einige orientieren sich z.b. am Walzer-Takt, 1,2,3,1,2,3...). Sehr exakt muss dieser Punkt auch nicht getroffen werden.

Vom Krafteinsatz und von der Taktung her gern variieren und so machen, wie es sich angenehm anfühlt, und zum anderen GLEICHZEITIG mehrmals einen Satz in ähnlicher Form sagen:

Auch, wenn (ich) ... (hier wird das Problem benannt, was wir vorher z.B. notiert haben), (liebe und) akzeptiere ich mich voll und ganz“.

Dazu hatten wir uns das Thema „Angst vor dem Briefe-Öffnen“ vorher kurz angeschaut und einige Aspekte der Angst heraus geschrieben.

Womit fangen wir am besten an?

Das hängt natürlich vom Thema ab, von unserer Art zu denken, von der Klopfvariante und nicht zuletzt auch davon, wie es uns gezeigt wurde oder wir es gesehen haben.

Ich fange gern mit dem Allgemeineren an und taste mich immer mehr in die Teilaspekte vor, hier und da spüre ich in mich rein um zu merken, was ggf. gerade ein Thema ist, ob das Thema xy mich z.b. gerade traurig oder vielleicht wütend macht etc...

Einige versuchen auch eigene Ego-Anteile auszumachen, bzw. welche Teile es so zu dem Thema gibt und welche Sichtweisen sie vielleicht einnehmen, oder betrachten ihr inneres Kind zu bestimmten Themen oder Zeitpunkten (in verschiedenen Altersstufen des inneren Kindes) usw.

z.B.

„Auch, wenn ich schon sooo lange starke Angst vor dem Öffnen von Behördenbriefen habe, und es immer schlimmer wird und ich fix und fertig davon bin, liebe und akzeptiere ich mich so wie ich bin.“

Entweder mehrere Dinge mit in einen Satz packen oder auch nur einzelne.

Oft macht es auch Sinn mehrere Dinge zu erwähnen, damit das Gefühl genau der Angst, die wir damit beruhigen/bearbeiten wollen, sich auch in uns (z.B. auch als assoziatives neuronales Netzwerk?) zeigen und wirken kann.

Später kann man dann auch z.B. Körperempfindungen mit rein nehmen, bestimmte Befürchtungen etc.

Man kann aber auch mit seinen „Einwänden“ anfangen („Einwandbehandlung“ s.o.).

Scheinbar, so las ich häufiger schon, ist es auch so, dass viele, die langwierige negative Erfahrungen gesammelt haben und damit oft einhergehend einen sehr niedrigen Selbstwert haben oder sich zum Beispiel ein angstfreies Leben nicht mehr vorstellen können (was auch auf das Thema Selbstwirksamkeitserfahrungen im negativen Sinne hindeuten dürfte) usw., innere Einwände oder auch z..b. einen sekundären Krankheitsgewinn gegen eine Veränderung des Zustands aufgebaut haben o.ä., welche einer Lösung oder Auflösung der Angst durchaus im Wege stehen könnten.

Und gerade bei der Selbstakzeptanzübung empfinden einige dieser und anderer Menschen, einen starken Widerwillen, z.B. Dinge wie „... liebe und akzeptiere ich mich so wie ich bin“ zu sagen.

Das „liebe“ wegzulassen, könnte dabei bereits helfen oder auch andere Formulierungen wie „versuche ich mich dennoch ein kleines bisschen anzunehmen“ oder „bin ich trotzdem okay“ o.ä..

Später, nach einiger Übung würde ich aber ggf. wieder stärkere selbstwertsteigernde Affirmationen / Aussagen verwenden. Bei Kindern werden auch kindgerechtere Formulierungen genutzt. Jemand, der stark gläubig ist, verwendet eigene Formulierungen, die z.B. zu seinem Glauben passen etc.

Beispiel für eine mögliche Einwandbehandlung:

„Auch, wenn ich nicht mehr dran glaube, dass das … je besser werden kann, akzeptiere ich mich so wie ich bin“ oder

„Auch, wenn ich es nicht wert bin / nicht verdient habe, dass sich das je ändern wird, akzeptiere ich mich so wie ich bin“

oder, dass ich nicht einmal schaffe, so einen einfachen „blöden“ Brief zu öffnen, mein „Inneres“ gegen mich arbeitet, weil ich das doch alles weiß usw.

(siehe auch weiteres, z.B. von der Liste, die wir gemacht haben).

Auch Selbst- und Fremdvorwürfe oder auch Loyalitäten zu anderen können in genau derselben Form angewandt werden in der Selbstakzeptanzübung (vgl. M. Bohnes Big-Five-Lösungsblockaden im PEP z.B.) und einiges mehr.

Da sind der Fantasie fast keine Grenzen gesetzt. Ich kann später beim Klopfen auch immer mal wieder diese Dinge ansprechen, also nicht nur, wie ich gleich beschreiben werde, das Thema benennen, sondern auch hier und da etwas Selbstwertsteigerndes oder auch eine Entscheidung (ab jetzt bin ich beim Thema xyz zuversichtlich“ oder ähnliches kann verwendet werden. Da hält Klopfen eine große Palette an Möglichkeiten bereit.

Einige sagen einen dieser obigen Sätze zwei- oder dreimal oder auch öfter (dabei natürlich das Klopfen an der Handkante nicht vergessen, und, da es immer mal wieder passiert, auch das Atmen dabei nicht vergessen.. Auch darf zwischendrin, wenn es sich gut anfühlt, gern mal tief durchgeatmet werden.                                                                                                   Diese Übung ist, und das sage nicht nur ich, sondern habe ich schon oft gelesen, für sich alleine sogar schon eine sehr gute Hilfe sein und tut oft sehr gut.                                            

Habe auch allein durch diese Satzform auch ohne das Klopfen im Vergleich zu anderem Vorgehen sehr schnell beruhigen können, im Vergleich zum „normalen“ Reagieren (z.B. im Umgang mit Menschen, wenn sie sich z.B. gerade überfordert fühlten), sogar beim einfachen Trösten von Kindern wirkt diese sich so komisch anhörende Satzform („auch, wenn... akzeptiere ich mich...“), habe da einiges in meiner täglichen Arbeit dazu beobachten können. :))
Und bei sehr schwachem Selbstwert nutzen bzw. verordnen viele die Selbstakzeptanzübung auch zur mehrmaligen täglichen Einnahme (über die Haut *g*).

z.B. auch ohne genaues Thema, also reines Annehmen bzw. Selbst-Annehmen 🙂 „Ich liebe und akzeptiere mich / nehme mich vollkommen an, mit all meinen Schwächen (und Stärken) usw.“


Bezüglich der Angst kann die Übung auch mögliche Zweifel, die zum Thema vorher mitschwangen oder irgendwelche Hemmschwellen, behoben haben, bzw. den Selbstwert bereits kurzfristig so erhöht haben, dass das nun folgende Klopfen an anderen weiteren Punkten nochmal stärker wirken könnte, also kann es meiner Ansicht nach nicht schaden, die Selbstakzeptanzübung vor einer Klopfrunde mitzumachen.                                                       Mehr dazu besprechen wir direkt im Anschluss, nämlich jetzt 🙂         

5.2.2. Emotionsregulation bzw. wir „klopfen“

(Anfangs hatte ich die Gänsefüßchen anders gesetzt - „wir klopfen“, habe mich aber dagegen entschieden, weil es womöglich den Anschein erweckt hätte, einer besonderen Ausprägung des Klopfens, hier der systemisch orientierten Klopfvariante von Ronald Hindmarsh, vorweggreifen zu wollen . Übrigens freue ich mich auf seinen Beitrag zum Klopf-Kongress schon ganz besonders!) 🙂

Wir werden uns jetzt vornehmen, unsere Emotionen zu regulieren (um bei den Worten der Überschrift zu bleiben) und im besten Fall die Angst und all ihre Anhängsel aufzulösen oder stark zu dämpfen (das reicht mir aber eigentlich nicht *ggg*). Dazu werden wir klopfen (vorgenommen haben wir es uns nun lange genug) 🙂

Wie wir bereits unter 4. besprochen haben, wollen wir z.B. bei geöffnetem neuronalen Netzwerk (der Angst, also hier unser Angst vor dem Briefe-Öffnen mit all den damit verbundenen Symptomen) gleichzeitig über die körperliche Berührung bzw. das Klopfen auf unser limbisches System (inkl. Amygdalae etc.) positiv Einfluss nehmen.

Dass das neuronale Netzwerk geöffnet bleibt, werden wir übrigens durch das Aussprechen unserer Ängste und Symptome bewirken, während wir klopfen (wenn wir etwas sagen, können wir nicht anders als dazu das entsprechende Netzwerk zu aktivieren).

Darüber hatten wir ja relativ ausführlich bereits unter 4. gesprochen.

Kommen wir also zum Klopfen.

Dazu benötigen wir ein paar Klopfpunkte. Ich zähle Euch nun ein paar der von mir gerne benutzten Klopfpunkte auf, beschreibe bei einigen auch grob deren Lage, füge aber auch zur besseren Veranschaulichung ein paar (eigene) Fotos bei.

Oder haltet Euch ansonsten an die auf Internetseiten gezeigten und erklärten Klopfpunkte.

...oder schaut Euch beim Klopf-Kongress um bzw. besonders gut hin. 🙂 

Ich klopfe in der Regel mit zwei drei Fingern zuerst der linken Hand auf meiner linken Körperseite

– außer den Punkt unter den Armen / Achsel, wo ich die Seite wechsle bzw.  natürlich ausgenommen der Punkte, die sowieso mittig sind – und dann mit der rechten Hand auf meiner rechten Seite usw.

(Ich mache das also so, dass ich nach dem Hochnehmen des Armes, um unter der Achsel zu klopfen, diesen (hoch genommenen) Arm  direkt zum Weiterklopfen nehme also vor dem Punkt „mittig auf dem Kopf“ (Kronenpunkt?) den Arm wechsle und damit dann die nächste Runde weiter klopfe usw. So habe ich mit jeder Seite mal geklopft, mit jeder Hand. Mir gefällt das so).

Unterschiedliche Klopfmethoden nutzen unterschiedliche Klopfpunkte, auch die Reihenfolgen (m.E. nach weniger wichtig) variieren oft und auch die Art und Weise der Ausführung des Klopfens.

Ich habe auf dem Bild unter meiner Liebeserklärung (mein erster Beitrag für die Blogparade bzw. den Klopfkongress 2019) einige Klopfpunkte in mühsamer Kleinstarbeit per Fotoshop aufs Foto gemalt (allein für das Herz neben mir habe ich eine halbe Stunde benötigt, aber immerhin freihand, ganz oben das Foto :))

Hier dasselbe Ausgangsfoto, aber in Schwarzweiß und ohne Herz...

Klopfpunkte Rene

Zu den Punkten:

Klopfpunkte Auge

Augenbrauenpunkt (Augenbrauenansatz auf der Seite, wo die Nase ist) außen am Auge (direkt neben dem Auge auf dem Knöchernen, also nicht so weit raus zur Schläfe) unterm Auge (am Jochbein mittig) unter der Nase,  unter der Unterlippe (auf dem Kinn, ca. mittig Richtung Kinnspitze) an den Schlüsselbeinen (ich klopfe hier meistens mit der ganzen Handinnenfläche und ich habe große Hände *g*) unter den Armen (ca. 10-12 cm unter der Achsel) mittig auf dem Kopf.

Schlüsselbeinpunkt

Während ich also diese eben genannten Punkte beklopfe, sage ich immer so ein bis drei Mal mein Thema, z.B. meine Angst vor dem Briefe-Öffnen oder die Aspekte, die ich auch gerade bei der Selbstakzeptanzübung genommen hatte.

Gerade letzteres macht Sinn, weil wir in der Selbstakzeptanzübung ja vielleicht gerade einige Einwände schon beruhigen konnte, was mir jetzt beim Klopfen hilft bzw. Klopfen so leichter verdaulich oder gar annehmbar macht. Das heißt, die Selbstakzeptanzübung bereitet direkt auf das folgende Klopfen vor.

Abgesehen davon kann ich aber auch einige Themen nur als Selbstakzeptanzübung machen (z.B. Gedanken, die ich so „annehme“ oder Einwände).

Mithilfe des Klopfens kümmern wir uns also dann noch um die Gefühle, die nach der

Selbstakzeptanzübung noch in uns rumoren, wo noch körperliche Aufregung bzw. Aktivierung im Spiel ist (wo also z.B. das sympatische Nervensystem, Amygdalae etc. übererregt sind; auch Hypervigilanz, dieses Aufgedreht-sein, hoch angespannt etc. gehört hier mit dazu).

Und wiederum abgesehen davon können wir auch oft direkt ohne Selbstakzeptanzübung klopfen.

Probiert gerne die verschiedensten Varianten aus (Weitere werdet Ihr sicherlich über den Klopf-Kongress kennen lernen können).

Achtet ggf. beim Klopfen auch daraufwelche Klopfpunkte Euch besonders gut tun oder nicht so angenehm sind oder gar so stark, dass die Symptome meistens an der Stelle (an dem Punkt) direkt schon gestoppt werden.

​Bei mir ist z.B. der Bereich um die Schlüsselbeine/Thymusdrüse solch ein starker Bereich.

Man kann ein bestimmtes Thema / Aspekt eine Klopfrunde oder mehrere beklopfen und danach gern dann auch einen weiteren Aspekt oder weitere Unteraspekte eines Themas etc.

Oft habe ich auch geklopft, wenn sich gerade ein starker angstauslösender Gedanke aufdrängelt, meist nur einmal in einer einzigen Runde oder auch manchmal auch nur gedanklich. Also die Sätze teils laut ausgesprochen, teils nur gedacht und mir vorstellt, ich klopfe die entsprechenden Punkte dazu.

Und versucht auch immer auch einen körperlichen Aspekt mit zu beklopfen (siehe auch Eure Themenliste, die Ihr vielleicht vorhin angelegt habt) 🙂

Bei mir war das z.B. das Kribbeln im Bauch. Wie diese typischen „Schmetterlinge im Bauch“, die scheinbar je nach Situation und Kontext sich sau-gut oder sau-schlecht anfühlen, je nach dem, ob sie bei einem Verliebtsein oder eben bei einer Angst auftreten. Aber das auch nur am Rande.

Und wenn's nicht gleich klappt, schaut euch ggf. das Gefühl dabei nochmal genauer an oder die Gedanken, die da vielleicht hochschießen („sowas wie klopfen kann mir sicher nicht helfen“ oder „ich muss das doch allein schaffen“ oder ein bestimmtes anderes ungutes Gefühl), dann versucht es mit dem bisher gelernten und greift das wie bei der Einwandbehandlung besprochen gezielt auf und versucht es dann nochmal.

Bzw. bedenkt vielleicht auch dabei: einiges braucht vielleicht noch eine Nacht zum „drüber schlafen“ um dann erst zu wirken, einiges wirkt nach Tagen immer noch nach oder verstärkt sich sogar noch Monate später. Je nach Thema etc.

Wenn Ihr Euch aber, ohne es beabsichtigt zu haben, zu tief in eine sehr starke Angst oder gar

Trauma hinein steigert und es womöglich nicht aushalten könnt, geht bitte unbedingt aus sämtlichen Gedankengängen heraus und klopft auch ohne Themenansprache einfach nur „leer“ sämtliche Punkte durch, und wenn es mehrere Runden dauert, bis ihr wieder entspannt seid. Habe auch in der Liebeserklärung das Thema kurz erwähnt. Bitte bei sehr schwierigen Themen, oder wo Ihr durch Eure z.B. blinden Flecken selbst nicht weiter kommt, oder Gefahr lauft, in ein „Wespennest“ aus Gefühlen zu stochern, holt Euch lieber Hilfe (bzw. sprecht wenn vorhanden mit Eurem Therapeuten).

Ansonsten, wenn das Benennen und ans-Thema-Denken nichts so wirklich bewirken will, versucht ggf. auch mal sowas:

Steigert Euch am besten fast schon mit schauspielerischer Manier in die Klopfsätze, klingt, wenn Ihr etwas leidvolles benennt, auch leidvoll, und nehmt vielleicht eine passende Haltung dazu ein und den passenden Gesichtsausdruck oder macht auch einen Schritt zurück, wenn Ihr es stehend oder gar gehend machen möchtet.

Und bei der selbstwertsteigernden Affirmation (Ihr erinnert Euch - die Selbstakzeptanzübung), sprecht Ihr das mit einem gewissen Stolz, und in einer melodischen Stimme (vgl.Prosodie, siehe auch Polyvagaltheorie von Stephen Porges).

Je mehr Material in Euch aktiviert wird (siehe auch Theorie-Teil), desto mehr kann sich auch tun (z.B. unter 4. auch angeschnitten).

Setzt gern auch Humor ein, sei es z.B. bei der Selbstakzeptanzübung (kann das hier auch nur anschneiden. Aber unter anderem zeigt das z.B. auch M.Bohne teils gut in seinen Videos – um nur einen zu nennen) oder generell bei den Formulierungen, beim Klopfen an sich usw.

Spielt vielleicht damit, entwickelt gern sogar Freude am Arbeiten an Themen oder an Ängsten. Das wäre sicher ein spannendes eigenes Thema 🙂

Apropos „spielt“:
Seht es gern auch mal wie ein Spiel.

Spiel und Humor sind (z.b. auch nach Porges' Polyvagaltheorie)  ein guter Hinweis darauf, dass wir unsere Emotionen gut regulieren können.

Humor z.B. kann vorübergehend ein wenig gut-tuende Distanz zu Leiden herstellen, aber auch dabei helfen, starke Ängste aufzulösen als ein ganz eigenes hoch potentes Reframingmittel. Ein weiteres sehr gutes Thema, was Euch auf dem Weg helfen kann und nicht zuletzt auch sehr selbstwertsteigernd sein dürfte. Wäre doch gelacht 🙂

Ich möchte hier nur die Grundtechnik in groben Zügen zeigen und damit quasi zum Trinken an die Tränke führen.

Wie ihr dann letztlich trinkt und auch wie viel, bleibt euch gern selbst überlassen. Trinken finde ich aber wichtig, bzw. um der Anleitung einen guten Schlussstrich zu setzen – Klopfen finde ich sehr wichtig.

5.2.3. / in die Aktion gehen und die Angst testen?

Ich hätte glatt fast den letzten Punkt vergessen, das Testen, ob die Angst noch da ist oder schon gegangen.

Da dies normalerweise schon längst gespürt wurde, indem durch das Klopfen oder danach (einige machen z.B. noch eine Abschlussroutine, ich auch, indem ich zwei Mal tief ein- und ausatme) das Gefühl nicht mehr spürbar war, der Angst auslösende Gedanke wegging oder keine Reaktion mehr bewirken konnte, ich wieder tiefer atmen konnte, entspannt wurde etc.

Nach Porges z.B. (den ich neben anderen immer mal wieder zwischendrin erwähnte), ist z.B. unser Sicherheitsgefühl wieder zurückgekehrt (und unserer vorderer ventrale Vagus wieder aktiviert, die Hypervigilanz hat sich gelegt, das Limbische System beruhigt etc.).

Wir haben wieder einen entspannteren Gesichtsausdruck, eine aufgerichtetere Haltung, einen kraftvolleren, aber auch dynamischeren, leicht federnden Gang etc.

All das können wir an dieser Stelle ggf. nochmal überprüfen. Wie geht es uns jetzt nach dem

Klopfen? Ruhig mal versuchen, die Angst aufzurufen, mal einen vorher bedrohlich eingestuften Brief in die Hand nehmen. Hält irgendwas davor zurück? Kommen körperliche, gefühls- oder gedankentechnisch irgendwelche Reaktionen? Kann ich die Angst überhaupt noch irgendwie spüren?

Wenn die Antwort Nein ist, dann scheint es geklappt zu haben.

Vielleicht kommt sogar langsam Lust auf, sich die Briefe mal anzugucken, den einen oder anderen vielleicht sogar doch schon zu öffnen und vielleicht macht der Gedanke daran, sich um das entsprechende Thema zu kümmern, sogar Spaß und es fühlt sich einfach alles dazu gut an?

Bei anderen Ängsten wäre ein Testen am Objekt/Ort sinnvoll, also mal in die Zoohandlung, um die Spinnenphobie zu testen oder mal in einen Zahnarzt aufsuchen, einen vorher angstbesetzten Ort aufsuchen usw.

Wenn doch noch was hoch kommt, dann vielleicht erst einmal Pause machen oder vielleicht nochmal die Aspekte genauer anschauen oder auch weiter und tiefer in sich und das Thema reinspüren oder ähnliches und ggf. das Klopfen wiederholen.

(Eine interessante Veränderung, die Klopfsätze betreffend, könnte so aussehen, dass ich nun bei der Akzeptanzübung so etwas wie „auch, wenn ich immer noch etwas Angst vor... habe usw.“ stattdessen sage und beim späteren Klopfen oder der Emotionsregulation dann „meine restliche Angst vor...“ z.B.)

Oder eine der vielen anderen Vorgehensweisen probieren, die Ihr ggf. woanders lest oder seht, z.B. beim Klopf-Kongress. 🙂


PS: Dieser letzte Punkt des in die Situation Gehens wäre z.B. bei der Konfrontationstherapie weitaus früher auf dem Behandlungsplan gewesen und wichtiges Instrument selbst bei der Angstreduktion. Da wir beim Klopfen eben mit anderen Werkzeugen/Instrumenten arbeiten (siehe theoretischer Teil der Anleitung und hoffentlich auch praktisch halbwegs anschaulich dargelegt), wird das in die Aktion gehen bzw. die Angst testen allenfalls zum Schluss gemacht, aber wie mir vorhin fast passiert wäre, auch gerne mal vergessen, weil er eben durch das andere Vorgehen nur noch überprüfende / validierende Wirkung hat. Aber Sinn macht das durchaus und sollte eigentlich auch nicht vergessen werden. 🙂

5.2.4. / Was ist nun aus meiner Angst vor dem „Briefe-Öffnen“ geworden?

Weil's so schön war, kommen nun endlich ein paar Worte zum Ergebnis meines eigenen Klopfens an meinem damaligen Angstproblem des Briefe-Öffnens, feierlich fett gedruckt – versteht sich 🙂

Beim Thema Briefe-Öffnen war bei mir nach ein paar wenigen Runden mit wenigen Aspekten einiges an Anspannung direkt rausgegangen und es kehrte sogar Lust ein, einen Brief zu öffnen. 

Ich habe einen Brief eines Inkassounternehmens geöffnet und dann direkt dort angerufen. Mitten im Telefonat mit der sehr einfühlsamen, netten Mitarbeiterin kamen mir Tränen der Erleichterung. Ich wusste und spürte, ich habe die Angst abgelegt, sie ist weg!

Wo ich vorher ewig brauchte, um einen Brief überhaupt angucken zu können, oder gezielt dran zu denken, ihn aufzumachen etc., konnte ich nun neugierig das Kuvert aufreißen und sogar direkt beantworten bzw. den klärenden Anruf tätigen. Es war kein Problem mehr, als wäre nie was gewesen. Krass!

(Und, auch wenn ich das nicht beweisen kann: meine Rückenschmerzen im unteren Bereich, die ich etliche Tage oder gar Wochen schon hatte, waren sofort danach auch weg und blieben weg. Das fand ich zusätzlich beeindruckend an dieser ganzen Klopfaktion).

Zu guter Letzt kann ich eine letzte Schippe drauf legen und sogar ein wenig stolz berichten, dass sogar Jahre später, nachdem ich bestimmte Themen, Aspekte oder Baustellen oft z.B. nur kurz beklopft hatte, es immer noch genau so stark wirkt. Manchmal hatte ich fast schon vergessen, dass ich das Thema schon mal beklopft hatte, wenn ich mich mal wieder wunderte, wie entspannt und ruhig ich in einer bestimmten Situation blieb, wo ich sonst immer an die Decke ging oder Angst bekam oder einfach nur hypervigilant wurde.

Und sehr oft habe ich das Gefühl, dass einiges sogar immer noch besser wird, obwohl es längst gut war.

Scheinbar kurbelt Klopfen das Selbstwertgefühl immer weiter an bzw. scheint ein Rad ins Rollen gebracht zu haben. Oder ich habe einfach so langsam meine Hausaufgaben richtig gemacht, meine Lektion gelernt. Na wie dem auch sei, es fühlt sich so schön an, mitzuerleben, wie immer mehr Freude und Lebendigkeit in mein Leben zurückkehrt etc. (gerade das depressive ist damit auch sehr gut abgelegt). Ich liebe Klopfen einfach!

6. Nachbesprechung oder Ergebnissicherung(?) 🙂

Spätestens hier drängelt sich natürlich in mir auch die Frage auf, ob Ihr:

  • die praktischen Übungen zum einen überhaupt gemacht habt oder gar noch im Theorie-Teil steckt oder es noch „verdauen“ müsst o.ä.,
  • sie gemacht habt und Euer Problem sich verändert hat (bestenfalls die Angst verschwunden ist bzw., was sich auch wie verändert hat etc.),
  • Klopfen (wie ich damals) nicht mehr / immer noch komisch findet oder auch
  • wie es Euch, die Ihr es probiert habt (und nicht mehr komisch findet), gefallen hat uvm.

Mit dem Theorie-Teil wollte ich nun auch einiges in meiner „Liebeserklärung ans Klopfen“ recht „emotional“ überspitzt Ausgedrücktes entsprechend untermauern und hoffe, dass sich Klopfen auch mithilfe der gewählten Aspekte (Selbstakzeptanz, Selbst-Wert, Selbstwirksamkeit, Emotionsregulation, Bifokale Achtsamkeit, Embodiment, Polyvagaltheorie u.ä.) nun etwas besser einordnen lässt.

Durch die Theorie darin kann diese Anleitung nun hoffentlich zusätzlich auch leichter auf andere Ängste, andere belastende emotionalen oder körperlichen Reaktionen, übertragen werden.  Ich konnte nur sehr grob die Möglichkeiten des Klopfens dahingehend darstellen, hatte mich mit wenigen Techniken, dafür hoffentlich mehr Erkenntnissen, es besser einordnen und somit dadurch auch besser nutzen zu können, begnügen müssen.

Also nur zu, macht Eure eigenen Erfahrungen, lernt Klopfen gern am eigenen Leib spüren, wie es Euch stärkt, wenn Ihr schwach seid und runter holen kann, wenn ihr zu hoch fahrt 🙂

UND, ich betone es zur Sicherheit hiermit nochmal: wenn die entsprechende Angst gegangen ist, dann solltet Ihr auch die nun möglich gewordenen Dinge tun und bestenfalls auch genießen.

Es würde ja wenig Sinn machen, sich z.B. von der Angst vor dem Autofahren zu befreien, um danach trotzdem weiterhin kein Auto zu fahren.

Abschließend vielleicht ein paar weiterführende Gedanken/Tipps

Gerade die Möglichkeiten, zum einen Klopfen mit anderen Methoden zu verbinden, und sogar auch, statt eines Klopfens andere Interventionen zu machen, während man sich im Zustand der Angst hält, sind sehr spannend für mich und erhöhen die Einsatzmöglichkeiten von Klopfen und ähnlichen Methoden sicherlich enorm.

Daher nun mal eine Idee, quasi als weiterführender Gedanke 🙂

Verknüpft später (wenn Ihr ein paar Erfahrungen durch's Klopfen sammeln und es ausreichend üben konntet,) gern auch Klopfen mit weiteren sinnvollen Übungen, die ihr mögt.

Falls Ihr Euch noch erinnert:

Wir hatten unter 4. bzgl. BMSI-Techniken/Bifokale Achtsamkeit u.ä. bereits das Thema ein wenig theoretisch aufgewärmt (multisensorische Reize usw.).

Im Praktischen lässt sich das wie gesagt erreichen, indem Ihr die Gleichzeitigkeit des „in der Angst sein“ und der Aktivität (also vorhin des Klopfens) ggf. auch bei anderen Aktivitäten nutzt.

Womöglich steigert Ihr damit sogar die Wirksamkeit der jeweiligen dazu benutzten (Entspannungs-)Technik nochmal wesentlich. 🙂

Beispiel: Eine Angst stark fühlen oder auch eine Wut, diese auch wieder aufrecht erhalten und sich z.B. während dessen den Nacken massieren lassen. 🙂

Es kann sehr gut passieren, wie mir in einer ähnlichen Situation, dass ein paar Sekunden später keine Wut mehr gespürt bzw. aufrechterhalten werden kann und auch der Ärger zum Beispiel schnell auch verfliegt (fast schon heraus“geknetet“ wird). 🙂

Die Berührung bzw. Massage hat scheinbar wie beim Klopfen auch längst die Amygdala beruhigt. Wir hatten darüber vorhin auch gesprochen.

Und wie gesagt:

Aus Perspektive eines Klopf-Fans benötige ich es natürlich nicht, ich finde es aber sehr interessant, weil es bedeutet (s.o.), dass eine Entspannungsmethode selbst auch effektiver / wirksamer zu werden scheint, wenn wir allein die Gleichzeitigkeit aus dem Klopfen darauf verwenden und die Angst beispielsweise aufrecht halten, während wir die entsprechende Methode/Technik praktizieren.

(Überspitzt gesagt könnten wir z.B. eine normale Massage auch dazu verwenden, an einer Angst zu arbeiten – also neben die Muskeln, Sehnen, Bänder, Faszien etc. auch die Angst zu „entspannen“).

Und einige von Euch, die bereits sehr geschätzte Methoden praktizieren, könnten dadurch dann auch diese Gleichzeitigkeit bzw. das „im Gefühl bleiben“s.o. aus dem Klopfen für ihre eigene Technik mit nutzen oder natürlich auch die Klopftechniken selbst mit einbeziehen und auch für ihre Methode selbst daraus lernen, etc.

Das alles bedeutet aber auch, dass wir im Umkehrschluss vorher (früher?) fast reflexartig schnell gern wieder aus unangenehmen Gefühlen, z.B. Ängsten herauskommen woll(t)en, verdrängen woll(t)en u.ä.

Und wenn dann oft was unternommen wurde „gegen“ bspw. die Angst, dann war das Netzwerk der Angst (siehe auch 4.) längst nicht mehr aktiv.

Und gerade das ist eben der Unterschied z.B. zu Klopftechniken, hier quasi das Timing, die Gleichzeitigkeit und auch das Aktivierthalten der Angst z.B..

Klar erwarten viele (die z.B. gegen Ängste auch Sport und Entspannungsmethoden machen) natürlich auch nicht, dass dann bspw. die Angst komplett weg ist und auch nicht  wieder kommt und machen das, weil sie vielleicht eben auch keine starken Emotionssregulations-Methoden (um nochmal einen unserer Begriffe s.o. zu bemühen *g*) kennen und ihre Übungen machen, um sich vielleicht auch nur ein wenig auszupowern, Adrenalin abzulassen, auf andere Gedanken kommen etc.

Dass es durch diese kleine „Stellschraube“ so viel mehr sein kann, war mir wie gesagt auch ein wichtiger zu erkennender Punkt, den Ihr , sofern nicht schon geschehen, gerne mitnehmen und Euch merken dürft.

...dass es wie beim Klopfen also so schnell gehen kann, die Angst aufzulösen (zu integrieren, zu transformieren, abzulegen, abzuschütteln etc.), wenn man stattdessen in der Angst bleibt und sie betrachtet, bzw. wie im Bild mit dem Haus in den ehemals selten besuchten Räumen mal wieder Licht anmacht und putzt (siehe 5.1. ).

Die Möglichkeiten, die sich daraus ergeben, diese Prinzipien der Gleichzeitigkeit, die scheinbar für eine so starke Wirkung mitverantwortlich sind – das alles ist für mich eines der wichtigsten und wertvollsten Erkenntnisse, die ich u.a. aus dem Klopfen (und auch BMSI-Techniken) mit genommen habe.

Diese enorme Vielseitigkeit (vgl. „Katalysator“ für Veränderungen) hat mich eben sehr beeindruckt.

Schaut also gerne dann auch, wie Ihr das Klopfen für euch (um)gestalten könnt.

Ich z.B. verknüpfe es manchmal auch mit Dehnübungen, laufe beim Klopfen durch die Wohnung, nutze Vor- und Zurückpendeln bzw. einzelne Vor- und Rückwärtsschritte, neben den auch vom Klopfen durchaus schon bekannten Tools.

Auch ich habe also quasi meine eigene Art zu Klopfen entwickelt. Eben, weil es als „Katalysatortechnik“ so vielseitig ist.

​Je öfter Ihr klopft, desto leichter fallen die Dinge wieder, desto selbstsicherer und
wirksamer fühlt Ihr Euch wieder.

Ebenso wie man eben durch Übung auch besser wird. 

Desto weniger werden folglich Probleme noch an euch anheften können, oder wenn sie es noch schaffen, werden sie leichter wieder gehen oder gar nicht mehr kommen,wenn ihr eure

Hausaufgaben gemacht habt. Aber bei diesen Hausaufgaben lohnt es sich, wir lernen sie fürs Leben.

Macht also gern ganz viele Klopferfahrungen, aber bedenkt auch und strebt es vielleicht sogar direkt an, dass Ihr durch's Klopfen auch Eure Einstellung mit verändert, so dass Ihr vielleicht bald immer weniger klopfen müsst. Arbeitet auch in anderen Bereichen an Euch oder auch an Wünschen, genießt Euer (neues) Hobby etc..

Vielleicht zeige ich an dieser Stelle einfach mal eine kleine (Kugelschreiber-)Zeichnung von mir, die das Ganze auch sehr gut untermauern könnte. Im Sinne einer wunderschönen Rose, die sich ins Licht erhebt und erstrahlt 🙂

Rose Zeichnung Rene

Im Klopf-Kongress wird es einige weitere Klopfvarianten geben, und viele verschiedene Themen dazu. Viel Spaß schon mal an dieser Stelle!  🙂

Ich hoffe, ich konnte ein wenig dabei helfen, einige Vorurteile oder gar Missverständnisse zum Thema auszuräumen, und würde mich dazu noch sehr freuen, Euch sogar ein wenig angesteckt zu haben mit meiner Liebe zum Klopfen. ( „Du hast...“ *lol*)

Habe in diese Anleitung zum Teil mein Wissen und meine Erfahrungen der letzten Jahre mit dem Klopfen und anderen Techniken, und viel Herzblut gesteckt, wobei ich natürlich auch nur einige,  m.E. aber wichtige Aspekte, allerdings meistens auch nur recht skizzenhaft darlegen konnte, und einige andere wichtige Aspekte wie z.B. zur Entstehung der Symptomatik u.ä. ganz weg fielen (ist ja auch so fast ein Buch geworden :)).

Auch habe ich mich für die allereinfachsten Techniken bzw. eben das „Grundrezept“ entschieden.

Klopfen hält aber noch viele weitere Techniken bereit und ist dabei sehr anpassungsfähig (vgl. auch Katalysator *g*) und eine enorm wichtige (Selbsthilfe-)Methode in meinem gedanklichen Notfallkoffer, trotz all der auch guten Erfahrungen mit z.T. ganz anderen Techniken – eine SuperTechnik quasi. 🙂

Und selbstverständlich habe ich es auch besten Wissens und Gewissens (und natürlich mit den allerbesten Absichten) geschrieben und kann mich hier und da sicher irren oder Fehler etc. gemacht haben, die ich zu entschuldigen bitte.

Ferner hege ich die große Hoffnung, einigen, auch ähnlich wie ich damals in Bezug auf Klopfen & Co. noch sehr skeptischen Menschen, damit quasi eine Brücke schlagen zu können, Neugier zu wecken und vor allem Mut zu machen, sich das Klopfen anzuschauen, es UNBEDINGT auch AUSZUPROBIEREN und viel Erfolg zu haben. Das wünsche ich unbedingt!

Bei Fragen gerne melden, und besonders freuen würde ich mich auch über Rückmeldungen von denen, die diese Klopfübungen vielleicht sogar gegen die Angst vor dem Briefe-Öffnen probiert haben.
Das wäre eine sehr tolle Rückmeldung und es würde mich sehr freuen, wenn ich damit ein wenig helfen konnte.
Euer René aus Hamburg

PS:

Auch, wenn ich hier in der Anleitung einige Namen oder Methoden auffällig häufig erwähnt haben sollte, (akzeptiere ich mich, ähm und auch sie vollkommen *ggg*)...heißt das erstmal nur, dass sie mich in irgendeiner Form fasziniert oder interessiert haben (bzw. zuerst in den Sinn kamen, was ja letztlich auch für sie sprechen dürfte :)).

Aber ansonsten habe ich auch von einigen (anderen) Klopfrichtungen und sehr verwandten Methoden usw. Bücher gelesen oder Videos, Anleitungen oder Forschungsergebnisse u.ä. angeschaut, die ich alternativ hätte verwenden können bzw. schrieb vieles auch aus der Erinnerung heraus.


René Stellmacher

René Stellmacher

René Stellmacher lebt in Hamburg und liebt die Klopfakupressur.
Er interessiert sich für sehr verschiedene Methoden und Techniken und "muss" immer die Hintergründe verstehen.
Aktuell hat er noch keine eigene Webseite, aber du findest ihn in der Klopf-Kongress Gruppe auf Facebook.


6 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Herzlichen Dank, liebe Michaela….
    für all die Hilfe und Arbeit mit diesem ja nicht gerade kurzen Text!
    GLG René <3

  2. Vielen Dank für diese ausführlche Anleitung und Beschreibung! Ich bin ja ein Mensch, der Theorie braucht (auch wenn ich ja schon lange praktisch klopfe). Ich möchte einfach gerne wissen, warum es wirkt, dann wirkt es gleich noch einmal so gut bei mir!

    • Wow, Sonja! Was für eine tolle Rückmeldung *g* – freut mich mega!!! (obwohl natürlich noch Luft nach oben ist *g*) 🙂
      LG René

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