Transgenerative Belastungen- wie wir sie erkennen und lösen können

Ein Gastbeitrag von Kerstin Bachmeier

Was sind Transgenerative Belastungen? Wie erkennen und lösen wir sie?

In Deinem Leben läuft was nicht rund. Immer wieder passieren Dinge, die Du Dir nicht erklären kannst:

  • Du bekommst nie den Job, den Du Dir wünscht, obwohl Du bestens qualifiziert bist
  • Du kannst kein Geld ansparen, weil Du immer wieder „ in Not“ gerätst.
  • Du hast Angst, die nicht erklärbar ist.
  • Du fühlst Dich nicht gut, bist traurig,ohne das was passiert ist.

Dann kann es sein,dass es sich gar nicht um Deine eigenen Gefühle handelt. Fremde Gefühle „verhalten“ sich anders, als persönliche Gefühle.

Wie eine große schwere Waberwolke sind sie um uns herum, manchmal auch in uns , schwer, belastend, kaum greifbar, Angst auslösend, depressiv machend, Energie raubend oder sie fühlen sich wie ein dunkler Abgrund an, über dem wir immer hängen …

Das sind Gefühle und Ereignisse, die von Eltern und Großeltern nicht verarbeitet wurden und von späteren Generationen innerlich aufgenommen werden.

Normalerweise stecken in unserem Inneren unsere eigenen Gefühle.
Menschen, die Traumata aus der Eltern- oder Großelterngeneration in sich tragen, haben zusätzlich mit einer Flut von Gefühlen und Ereignissen zu tun, die nicht ihre eigenen sind.

Wir Kinder und Enkelkinder können die fremden Gefühle jedoch nicht verarbeiten.
Das ist gerade in unserer Zeit und in unserem Land ein Problem, denn wir sind Kriegskinder und – enkel .
Und was der Krieg mit unseren Vorfahren gemacht hat, das können wir in Filmen sehen, Büchern lesen und wer Glück hat, auch aus den Erzählungen erfahren.

Es gibt sehr gute Bücher zum Thema

Kriegsenkel von Sabine Bode: Kriegsenkel- die vergessene Generation

In der Regel werden die systemischen Belastungen unbewusst aufgenommen, oft sogar schon in frühster Kindheit. Für Menschen, die systemische Belastungen in sich tragen, fühlt sich das meistens ganz normal und gewohnt an, so dass sie es lange Zeit nicht wirklich als Last empfinden. Sie entwickeln ihre Persönlichkeit ausgleichend und kompensierend um eine solche Belastung herum.

Viele Menschen stellen sich ihren Gefühlen, ihrem Unterbewusstsein und ihren Belastungen.

Manchmal kommen sie an einen Punkt, den sie einfach nicht gelöst bekommen.

Oder sie haben das Gefühl, trotz innerer Arbeit und Reflexionen, sich im Kreis zu drehen oder nicht vom Fleck zu kommen und dass sich nichts wirklich ändert.

Das ist oft ein Zeichen dafür, dass Traumata einer oder zwei Generationen vor ihnen im Spiel sind, die entweder geschützt werden oder als das Eigene erlebt werden.

Unverarbeitete übernommene Trauer kann sich zum Beispiel so zeigen, dass der Mensch zwar viel weint, jedoch keine Erleichterung erfährt und immer wieder rutscht neue Traurigkeit nach, die immer größer wird und kein Ende zu haben scheint.

Persönliche Gefühle haben einen Anfang und ein Ende.

Wenn wir trauern, dann bringt uns das Erleichterung . Schmerzhafte Gefühle, Scham, Schuld und Wut fühlen sich, wenn es die eigenen Gefühle sind, persönlich an und wir können sie bestimmten Erlebnissen oder Ereignissen zuordnen.

Um ein inneres Gleichgewicht zu erschaffen, bildet unsere Persönlichkeit verschiedene ausgleichende Strategien um die inneren Belastungen herum.
Die häufigste Strategie ist innere Unruhe.
Sie treibt den Menschen permanent zu Aktivitäten, zu irgendwelchen Handlungen und zu andauerndem Beschäftigtsein. Andere Strategien sind: Stress nicht verhindern können, Vermeidungen aller Art, Ängste, nicht in Kontakt gehen wollen (Angst vor Trigger), schnell wütend werden, sich immer streiten müssen.

Traumata aus anderen Generationen werden immer stärker als die persönlichen Gefühle empfunden.

Daher ist es wichtig, sie zu erkennen, wenn man sich persönlich entfalten oder verändern möchte. Persönliche Veränderungen können ansonsten nicht lange gehalten werden und schnappen schnell in alte Bahnen und Muster zurück.

In den Meisten Fällen ist es jedoch der tiefe Wunsch nach Nähe und Intimität zu unseren Eltern, durch den wir uns an ihr Schicksal klammern, weil wir ihnen sonst nicht nah sein könnten..

Und hier kommt die systemische Klopfakupressur zum Zuge.

Wenn wir nur unser eigenes Gefühl beklopfen, bleibt das übernommene Gefühl zurück, also die traurige Oma, der wütende Vater u.s.w. Da wir ja die systemische Verbindung erhalten wollen, können wir das belastende Gefühl so nicht lösen. ABER: wir können im WIR klopfen. Also wenn wir klopfen: unsere Traurigkeit, unsere Wut u.s.w. lösen wir das belastende Gefühl auch für unsere Vorfahren.

Wichtig ist dabei zu betonen, dass die Verbindung zu den Protagonisten auch ohne das belastende Gefühl erhalten bleibt.

Ein Beispiel:

-auch wenn ich so traurig bin, ich bin ok, so wie ich bin

- auch wenn WIR so traurig sind, wir sind ok, so wie wir sind und ich klopfe es für alle, die ebenfalls diese Traurigkeit spüren und unsere Verbindung bleibt bestehen.

- unsere Traurigkeit… ( an allen Klopfpunkten)

Mit dem WIR –Klopfen kannst Du schon viel erreichen. Mehr Informationen findest Du unter www.klopf-tutorial.de , da gibt es auch einen Praxisfinder für Coaches, die systemisch arbeiten und helfen können, die „ blinden Flecken“ zu erkennen.

Viel Erfolg wünscht
Kerstin Bachmeier

Kerstin Bachmeier

Ich bin Kerstin Bachmeier, geboren 1964, verheiratet und habe eine große Familie. Mit dieser lebe ich in Detmold, das gehört zu Ostwestfalen Lippe. Schon lange beschäftige ich mich mit Klopfakupressur und arbeite mit meinen Klienten mit systemischer Klopfakupressur. Mein Spezialgebiet sind transgenerative Belastungen.
Ich habe eine Praxis hier vor Ort, arbeite aber auch online via Skype oder Zoom.

Weitere Infos unter: www.hypnose-tapping-detmold.de

7 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Danke für diese einfache und doch so genaue Erklärung! Damit kann man etwas anfangen! Zumindest mal probieren – wenn sich nicht das Gewünschte tut, kann man immer noch einen Coach finden!

    • Viel Spaß beim probieren. Und natürlich freuen wir uns wenn du berichtest, was du dabei rausgefunden und ggf. aufgelöst hast.

      Liebe Grüße
      Michaela

  2. Leider musste ich zu diesem Thema sehr schlechte Erfahrungen machen. Ich erlitt vor einigen Jahren nach einem fürchterlichen Krankenhausaufenthalt eine PTBS. Seither bin ich Erwerbsunfähigkeit und leide u.a. an einer chronischen schmerzstoerung. 2013 war ich für einige Wochen in einer psychosomatischen Klinik. Darauf ging es mir echt besser. Bis ich von meiner Selbsthilfegruppe zu einem Vortrag zu fibro und Traumata eingeladen wurde. Wie ich dann feststellen musste, war dieser Vortrag genau über das Thema trans generative trauma Weitergabe. Die Frau die den Vortrag hielt, war der Meinung, dass alle unsere Probleme wie schmerzen, Panikattacken usw. Damit zusammenhängen,dass unsere Eltern, Großeltern usw. Damit zusammenhängen, dass sie im Krieg waren, dass wir alle dadurch eine PTBS haben. Der Vortrag war ein Vortrag über die Kriege des letzten Jahrhundert mit schrecklichen Bildern und zahlen. Ich wurde retraumatisiert. Meine Erholung aus dem Krankenhaus war wie weggeblasen. Es gab keine triggerwarnung. Ich möchte auch darauf hinweisen wir haben nicht alle eine PTBS von unseren Eltern vererbt bekommen
    . wir sollten froh darüber sein, dass wir in friedlichen Zeiten leben. Und versuchen unsere Probleme hier zu lösen.

    • Liebe Agnes,
      das, was du beschreibst, ist einfach… unglaublich…
      Jemand, der über dieses Thema spricht sollte wissen, dass man damit retraumatisieren kann und eigentlich keine drastischen Beispiele bringen. Und wenn schon, dann unbedingt mit einer Triggerwarnung!

      Ich persönlich glaube nicht, dass es für alle Beschwerden etwas gibt, was bei allen Menschen / Klienten gleich ist.
      Dafür sind wir einfach viel zu verschieden.

      Wenn man an einem Punkt nicht weiterkommt, dann kann man schauen, was sonst noch dahinter stecken könnte, wie z.B. transgenerative Belastungen oder systemische Zusammenhänge.
      Ich wünsche dir weiterhin gute Besserung.

      Liebe Grüße
      Michaela

  3. Hallo Agnes! Es ist wirklich schlimm, was Du erlebt hast. Es wird in Forschung zu den transgenerativen Belastungen nicht davon ausgegangen, dass wir alle eine PTBS oder deren Auswirkungen haben. Das wäre viel zu verallgemeinernd.
    Aber oft wurden Belastungen durchaus “ vererbt“ und wir können eine Menge tun, das wir diese beenden.
    Ich wünsche Dir sehr, dass Du einen geeigneten Therapeuten findest der Dir hilft, Dein Trauma zu lösen.
    Kerstin

  4. Eine Frage kommt mir. Ich muss dabei nicht wissen, von wem da noch so Gefühle sind, ich klopf einfach auf ‚wir‘ und spreche damit alle eventuelle Verknüpfungen an?
    Ich hatte heute morgen die Gefühle mich aufgegeben und verlassen zu fühlen beklopft. Saß sehr tief und konstant am Hinterkopf. Nun könnte das auch was sehr altes aus meiner Kindheit sein – Kopf nicht gehalten oder so, was deshalb auch so tief verankert sitzt.
    Wenn es mir einfällt, probiere ich das mal aus mit dem ‚wir‘. Spannende Sache
    Ich erlebe oft in Wiederholung die gleichen sehr existentiellen Gefühle beim Klopfen, immer wieder neu ausgelöst durch äußere Situationen. Es gibt allerdings auch ein Bindungstrauma und Schocktrauma im Hintergrund.
    Danke für den Beitrag!

    • Liebe Sophie,
      du kannst einladen, wer sich gerade zeigt und dir in den Sinn kommt und speziell sein. Du kannst aber auch „wer auch immer dazugehört – wir sind okay“ oder ähnliches sagen. Vielleicht mag Kerstin auch noch etwas dazu schreiben.
      In diesem Artikel schreibt Ronald Hindmarsh über die Systemische Klopfakupressur. Vielleicht hilft dir das auch noch weiter.

      Liebe Grüße & „frohes Erkunden“
      Michaela

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